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Franken-Silvaner in verschiedenen Ausbauvarianten

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Betreff: Franken-Silvaner in verschiedenen Ausbauvarianten

Datum: 2010-02-26 16:11:35
Absender:  "Rolf-Bodo Dorrer"




Hallo zusammen,

gestern war es so weit: unsere "Weinsportgruppe" hat u.a. das
Silvaner-Probepaket von Rainer Sauer unter die Lupe genommen.
Nochmal zur Erinnerung:
in diesem Probierpaket wurde ein und derselbe Ausgangssilvaner
(physiologisch reife und gesunde Trauben, Spätlesegradation, Jahrgang
2008 aus Einzellage Escherndorfer Lump) mit vier verschiedenen
Ausbaumethoden bearbeitet:

Variante 1:
normal (6 Std. Maischestandzeit, 12 Std. natürliche Sedimentation),
vergoren mit Reinzuchthefe.

Variante 2:
wie 1, jedoch Spontanvergärung.

Variante 3:
Maischegärung unter Verwendung von Reinzuchthefe.

Variante 4:
wie 3, jedoch Spontanvergärung.

Zur Vermeidung von Beeinflussungen haben wir die Weine "blind"
probiert und noch einen Piraten (ebenfalls 2008er Silvaner aus
Franken,aus 3 Partien zusammengesetzt, nämlich Reinzuchtvergärung,
Spontanvergärung und Maischegärung) hinzugefügt.

Wein Nr. 1:
mittelkräftiges Strohgelb, sehr verschlossene Nase mit starker
Mineralik, Frucht bleibt im Hintergrund, auch auf der Zunge Mineralik
pur, fast völlig unterdrückte Frucht deutlicher, aber angenehmer
Gerbstoff, tolle Struktur, wirkt noch sehr jugendlich.

Es war, wie vermutet, Variante 4.


Wein Nr. 2:
etwas hellere Farbe wie 1., deutlich mehr Frucht, Quitte, Birne, sehr
angenehm, wenig Gerbstoff, mittlere Länge.

Wurde als "Mostgärer" erkannt. Es war die Variante 1.


Wein
Nr. 3:
klassische Nase nach Quitte, Birne und etwas Walnuss, dito am Gaumen,
ähnelte dem Wein Nr. 2, vielleicht eine Spur expressiver in der
Frucht.

Es war die Mostgärvariante 2.

Wein
Nr. 4:
stach völlig aus der Serie heraus und wurde sofort als Pirat
erkannt, sehr frisch mit geradezu exaltierter Frucht, sehr
ungewöhnlich für einen Silvaner, wirkte, als ob da etwas Scheurebe
mitverarbeitet wurde, vergleichbar auch mit der gefürchteten
"Sämlingsnote" bei einigen österreichischen Grünen Veltlinern, gute
Säure, wenig Gerbstoff, sehr jugendlich und trinkanimierend.

Es war der Pirat:
2008er Silvaner Spätlese trocken "Edle Rebe" (Weingut Rudloff,
Nordheim).


Wein Nr. 5:
ähnlich verschlossen wie 1 mit deutlicher Flint-Aromatik, ähnelt
auch ansonsten sehr dem Wein Nr. 1, ähnlich gute Struktur mit
angenehmer Gerbstoffnote, vielleicht eine Spur weniger "wild" und
dezenter in der Mineralik.

Es blieb nur die Variante 3 übrig und die war es dann auch.

Fazit:
Gerade die "Maischegärer" unterscheiden sich sehr deutlich von den
"Mostgärern", wobei die Art der Hefe (Reinzucht/wilde Hefen) nicht
ganz so ausschlaggebend ist. Für uns waren die maischevergorenen
Varianten insgesamt spannender und vielschichtiger, können aber sehr
gut nachvollziehen, daß auf Frucht fixierte Geniesser sicherlich
Probleme mit dieser Ausbaurichtung haben dürften. Vielleicht liegt ja
der "Stein der Weisen" gerade im Mix dieser Varianten; der "Erdrauch"
vom Weingut Landart ist ja hierfür ein sehr positives Beispiel.
Der reine Maischevergärer a la "Schlehdorn" von P. J. Kühn wird
sicher ein Nischenprodukt für ein paar Freaks bleiben.
Interessant ist jedoch die Tatsache, dass der maischevergorene Wein
gegenüber dem "Mostgärer" bei gleicher Ausgangslage weniger Alkohol
in die Flasche bringt. Bei den obengenannten Varianten 3 und 4 war der
Alkoholgehalt gegenüber den anderen beiden Varianten um ca. 1 Vol%
niedriger. In Zeiten des Klimawandels kann diese Methode daher
zumindest ein natürlicher Mosaikstein bei der
Alkoholvermeidungsstrategie sein.

Grüsse
Bodo

Dieser Beitrag wurde mit dem webbasierten Zugang zum Forum erstellt:
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