Anmelden
Dauerhaft anmelden
Infos über Wein-Plus
Mitgliedschaft
RSS
Hilfe
Social Networks
Stellenangebote
Impressum
Presse
Über Wein-Plus
Datenschutz
Partnerprojekte
Kontakt

Muessen Bio-Weine mehr kosten

  1. Information
    Weine, Winzer, Wissen
  2. Forum
     (1227 Beiträge)

Zurück zum aktuellen Forum    zum alten Wein-Plus.de Archiv

Betreff: Muessen Bio-Weine mehr kosten?

Datum: 2007-02-06 14:25:58
Absender:  "axel krueger"



"da der Großteil der Weintrinker nicht
bereit sind für diese Mehrleistung auch den Gegenwert zu entrichten."

Aus eben diesem Grunde hat die Winzergenossenschaft Auggen im
Markgräflerland den Bio-Anbau gerade wieder aufgegeben.

axel

-----Ursprüngliche Nachricht-----
Von: weinforum_owner@apris.de [mailto:weinforum_owner@apris.de]Im
Auftrag von Weingut HXrner
Gesendet: Dienstag, 6. Februar 2007 00:42
An: weinkrueger@t-online.de
Betreff: [weinforum] Re: Muessen Bio-Weine anders schmecken?



Hallo Frank,

ich selbst betreibe keinen Bio-Anbau, möchte also den
Kollegen da nicht vorgreifen, die sich damit beschäftigen.
Beim biologischen Anbau geht es besonders um den
weinbaulichen Aspekt.
Also Pflanzenschutz, Nährstoffversorgung als wichtige
Punkte exemplarisch zu nennen.
Die Pflanzenschutzmittel die eingesetzt werden dürfen
beschränken sich auf eher Pflanzenstärkungsmittel,
sehr wenige althergebrachte Mittelchen wie Netzschwefel
und Kupfer, aber auch diese nur in sehr beschränktem
Aufwand, sozusagen als Feuerwehr.
Der Pflanzenschutz beschränkt sich vornehmlich auf
passive Handlungen, speziell die Gestaltung der
Laubwand, Laubarbeiten, für gute Durchlüftung sorgen,
die Trauben freistellen um gute Besonnung und dadurch
rasches Abtrocknen zu gewährleisten, ohne das diese
Sonnenbrand bekommen usw. usw..
Dies sind durch die Bank manuell auszuführende Tätigkeiten,
also Handarbeit, bei welcher man Stunden und Tage im
Weinberg verbringen kann, natürlich nicht im angenehmen
Frühling, sondern im Hochsommer.
Hilfswichtel kann man dabei auch nur bedingt einsetzen, weil
bei den Arbeiten einfach n gewisses Feeling Voraussetzung ist.
Jeder Handgriff will wohlüberlegt sein.
Die Nährstoffversorgung ist auch ne kitzlige Sache, da Mineraldünger
bei Bio auch wegfallen. Es sind also teure Einsaaten mit Leguminosen
über Winter nötig, die im Frühjahr dann umgebrochen werden muss
und die je nach Witterung dann die Närstoffe freigibt.
Komposteinbringung ist auch möglich, aber dieser muss auch aus
Biologischem Anbau kommen, was diesen natürlich sehr kostenintensiv
macht. Die bei der Umsetzung der Humusmasse werden neben den
Nährstoffen auch diverse andere Nebenprodukte frei, die, wie die
Fachliteratur andeutet für die Komplexität des späteren Weines auch
eine Rolle spielen soll.
Im Unterstockbereich ist auch der Herbizideinsatz klar untersagt,
obgleich da schon Studien vorliegen, das dies Quatsch sei, weil keine
Energieersparnis. Alternatv zu Herbizid gibts dann noch die
"mechanische Beikrautlenkung" mit dem sog. Flachschar und natürlich
die gute alte Hacke. Aber die mechanische Beikrautlenkung muss mehr
oder weniger permanent durchgezogen werden, mit Herbizid bin ich mit
zwei Einsätzen im Jahr locker sauber im Unterstockbereich.

So, das waren mal 2 Kapitel aus der Bio-Bibel und diese auch nur
mal an der Oberfläche angekratzt und selbst diese 2 Punkte ergeben
mal locker 100 Stunden Pro Hektar an mehr Zeitaufwand, ohne die
Zusatzkosten für spezielle Maschinen und Einsaaten.

Haarig wirds wie gesagt in wenigeroptimalen Jahren, wenn das
Wetter einfach nicht mitspielt, sodass die zeitnah abzuarbeitenden
Dinge nicht optimal verrichtet werden können und der Infektions-
druck durch Schadorganismen in die Höhe schnellt.
Die konventionell arbeitenden Winzer haben dann oftmals
noch die Möglichkeit über den Pflanzenschutz sozusagen die
Notbremse reinzuziehen durch bestimmte Mittelchen, die zugegeben
schweineteuer sind, aber immernoch die günstigere Alternative zum
Totalverlust, der den Biowinzern in diesen Jahren droht.

Der Bioweinbau wird von einem bestimmten Klientel
gefordert und auch honoriert. Dieser Markt wird aber
von speziellen Winzern bereits gut versorgt. Ein flächendeckender
Bioanbau ist und wird es auch bleiben, Wunschdenken spezieller
politischer Traumtänzer, da der Großteil der Weintrinker nicht
bereit sind für diese Mehrleistung auch den Gegenwert zu entrichten.
Zumal die große Masse die Unterschiede sensorisch kaum in
der Lage sind die Nuancen des Bioanbaus nachzuvollziehen.

Den Rest kannst Du dir denk ich schon zusammenreimen,

Marko


Frank Fremerey schrieb:
> Hallo Weingut Hörner!
>
> Danke für den hochinteressanten Beitrag, der folgende Fragen aufwirft:
>
> Worin besteht genau der angesprochene Mehraufwand, wo fällt die
> Mehrarbeit an?
> Wieso sind die Risiken bei Jahrgangsschwankungen höher als im
> konventionellen Anbau?
> Was kann man Alles falsch machen, wo liegen die spezifischen Chancen des
> Biobetriebs?
> Gibt es echte Vergleiche, also Orte, wo vielleicht am gleichen Berg 3ha
> Bio und 3ha konventionell bewirtschaftet werden, am besten vom gleichen
> Winzer und Kellermeister und auf Rebstöcken gleichen Typs und Alters?
>
> Ich bin durchaus nicht "gegen Bio" eingestellt, ganz im Gegenteil, aber
> mich interessiert der tatsächliche Nutzen:
>
> Macht es für den Winzer ökonomisch Sinn?
> Was bringt es für die Natur (Grundwasser, Boden, Luft, Landschaft)?
> Wie sind die Auswirkungen auf das Produkt?
> Gibt es besonders gute oder schlechte Vorraussetzungen für Biowirtschaft
> (bestimmte Rebsorten, bestimmte Böden, bestimmte Klimabedingungen)?
>
> Herzliche Grüße & Prost
>
> Euer
>
> Frank Fremerey
>
> Weingut Hörner schrieb:
>
>> Soweit ich weiß müssen die Bioweine nicht anders schmecken.
>> Also es ist nicht zwingend.
>> Aber sie können anders schmecken. Dies kann verschieden
>> Gründe haben, sowohl im Positiven, als auch im Negativen.
>> Wenn das Biokonzept richtig durchgezogen wird,
>> was mit viel Arbeitsaufwand verbunden ist sind die
>> Weine oftmals komplexer, vielschichtiger und einfach
>> attraktiver im Gesamteindruck finde ich.
>> Aber das gibts dann halt auch nicht für 2,99 EU.
>> Wird das Bio falsch angepackt oder das Jahr spielt
>> halt überhaupt nicht mit sind die Biotrauben eben
>> deutlich mehr mitgenommen und die Weine dann
>> dementsprechend eher nicht so toll, weil die
>> konventionell wirtschaftenden Winzer da dann
>> einfach mehr Möglichkeiten haben.
>>
>> Ich habe auch schon von Kollegen berichtet bekommen,
>> die Bio einführten und wieder aufgaben, weil der
>> Mehraufwand am Markt einfach nicht zu realisieren war
>> und mit Normalaufwand einfach nicht die Weinqualität
>> erreichten, die heute gefordert wird.
>>
>
> --
> Frank Fremerey
> Fotokunst und Text
> Bornheimer Str. 33a
> 53111 Bonn, Germany
>
> web: wurst-macht-schoen.de
> mail: frank@fremerey.net
> voicemail: +49-228-217730
> mobile: +49-228-2996066
>
> --
>