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Pinot Noir 1998: Altschweier vs. Vosne-Romanee

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Betreff: Pinot Noir 1998: Altschweier vs. Vosne-Romanee

Datum: 2006-12-15 22:16:04
Absender:  Thomas Deck



Hallo Forum,

ich habe lange überlegt, ob ich nicht besser "Duijn vs. Vosne-Romanée"
schreibe. Unter journalistischen Gesichtspunkten hätte ich es tun
müssen, es hätte mit Sicherheit mehr "Klicks" erzeugt. Aber ich bin
kein Journalist, sondern ein Terroirsuchender. Und Duijns Spitzenwein
mit dem seltsamen Namen "SD" kommt nun mal mehrheitlich aus der
Altschweierer Toplage Sternenberg. Der andere Teil kommt vom
Bühlertaler Engelsfelsen, ebenfalls eine Toplage. Beides
Granitverwitterung. Siehe auch
mitglied.lycos.de/thdeck/ortenau/Altschweier-Lagen.shtml
mitglied.lycos.de/thdeck/ortenau/Buehlertal-Lagen.shtml

Duijn, Huber und Johner sind übrigens die einzigen Winzer, von deren
Topweinen ich alle Jahrgänge ab 1998 habe/hatte. Bei Bercher
(Feuerberg) fehlt 2000, bei Heger (Winklerberg) und Schneider ("R")
fehlt 1998. Bei anderen fehlt noch mehr. Unverzeihlich.

Es war übrigens Mario Scheuermann, der mich auf Duijn aufmerksam
gemacht hat. Ausgerechnet der Journalist, dessen Fehlbeschreibung von
Duijns Spätburgundern ("total burgundisch"; "für den Preis bekommt man
in Burgund aber nun wirklich nichts Adäquates") ich als abschreckendes
Beispiel abgespeichert habe. Aber so bekommt man Leser. Und das ist
die Kernkompetenz der Journalisten. Ich verdanke es u.a. Mario
Scheuermann, dass ich Duijns "total burgundischen" 98er im Keller
hatte und nun mit einem echten Burgunder vergleichen konnte:


1998 Spätburgunder "SD", Jacob Duijn, Bühl-Kappelwindeck
(Baden/Ortenau)
13 % Alk., 32 Euro

1998 Vosne-Romanée 1er Cru Les Beaumonts, Hudelot-Noëllat, Vougeot
(Burgund/Côte de Nuits)
13,5 % Alk., 30 Euro


Der Vosne-Romanée wirkte in der Nase jung, mit gewissen
Himbeer-Aromen. Im Mund fruchtig, dicht, sowie mit einer Art "warmem"
Röst- oder Zimtaroma, das entweder vom Holz kommt oder dem entspricht,
was ich unter Vosne-Romanée-Typizität verstehe. Dazu kamen anfangs
noch staubige Noten und ein gewisser Bitterton, was den Wein zunächst
etwas schwierig machte. Typisch 1998, dachte ich.

Der Duijn war von Anfang an offener, mit dem üblichen badischen
Walderdbeer-Aroma und einer gewissen Weichheit und Samtigkeit im Mund.
Dezente Holzaromen gab es auch noch. Der Wein war aber dicht+lang mit
ideal passender Säure.

Der Vosne-Romanée war zwar fruchtiger (Kirsche/Veilchen) und
strukturierter, aber irgendwie nicht makellos. Am ersten Tag gab ich
ihm 86 Punkte, dem Duijn 87. Am 2. und 3. Tag drehte er dann groß auf.
Sehr reintönig, eindringlich, lang, Kirsche/Himbeere. Er wirkte sowohl
von der Farbe als auch vom Geschmack her 2-3 Jahre jünger als der
Duijn. Letzterer hatte aber auch zugelegt. Röstaromen, Unterholz und
schöne Säure. 88 Punkte. Aber 91 für den Vosne-Romanée am 2. Tag. Und
am 3. Tag entwickelte er sich förmlich zum Saufwein, wobei er den
Duijn sogar noch etwas mitzog. 3 Punkte Differenz waren es dennoch:

Vosne-Romanée: 92 Punkte, Duijn: 89 Punkte. Das waren drei "leckere"
Abende.

Und Burgund hat es doch glatt geschafft, für 30 Euro "etwas Adäquates"
in die Flasche zu bringen. So was Fieses machen die öfter.

Punkte hin oder her, in der Stilistik liegen Welten zwischen den
beiden Weinen. Burgund scheint - zum Glück - nicht kopierbar zu sein.
Duijn kommt dem Ortenauer Terroir übrigens immer näher (mein Eindruck
von der Verkostung der 2004er im Frühjahr).

Auch in Burgund sind solche Topweine wie der obige recht selten. Z.B.
trennt sich dort bei meinen 99ern derzeit die Spreu vom Weizen. Mal
sehen, ob morgen Abend Johners 99er "SJ" (schon wieder so ein
komischer Name) die Gunst der Stunde nutzt...



Thomas Deck
mitglied.lycos.de/thdeck/ortenau/index2.shtml

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