ProWein 2004: Badische Rotweine (u.a.) -1-
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Betreff: ProWein 2004: Badische Rotweine (u.a.) -1-
Datum: 2004-03-06 21:56:21Absender: Thomas Deck
Hallo Forum,
es folgt ein Bericht über meinen ProWein-Besuch vom Dienstag. Ich bin
derzeit ja dabei, die badischen Weinbergslagen zwischen Baden-Baden
und Karlsruhe sowie die dort wachsenden "Spitzenweine" mit allen
wesentlichen Details zu erfassen. Daraus könnte mal ein Buch
entstehen, aber die Arbeit wird Jahre dauern. Bzgl. der Weine habe ich
mit dem Spätburgunder angefangen und das Limit auf 13 Euro aufwärts
(Endverbraucherpreis) gesetzt. Daher lag der Schwerpunkt an jenem
Dienstag auch bei den Spätburgundern.
WG Königschaffhausen
Hier war der "Regnum" in meiner Liste. Ich verglich:
2002 Steingrüble "Selection" (9,50 Euro)
2001 Steingrüble "Regnum" (21,50 Euro)
Die Selection stammt aus dem großen Holzfass, hat 14 % Alkohol und 4,8
g/l Restzucker. Fruchtig (Brombeere), süßlich, mächtig, alkoholisch.
Schon gut (85 P.), aber für mich gewöhnungsbedürftig, nicht das, was
ich unter einem klassichen badischen Spätburgunder verstehe.
Der Regnum hat 13,5 % Alkohol und 3,8 g/l Restzucker. Ich habe nur
hier die Rz-Werte erfragt, weil sie etwas aus der Reihe fallen. Der
Wein zeigte eine elegante Holznote, Würze und auch eine gewisse
Frucht, wirkt aber weniger konzentriert als die "Selection". 87 Punkte
kann man geben, aber der Preis...
Und vor allem: Bordeaux-Flasche! Mit dicken Barriquefässern mitten auf
dem Etikett. "Ein Wein mit internationalem Anspruch", war die
Begründung. Für mich ist das eher Verrat an meiner Heimat, und das mit
dem Flaggschiff der Kollektion. Kein Burgunder und auch kein badischer
Spitzenwinzer würde das machen. Ausgerechnet die angeblich so
heimatverbundenen Genossen. Ich versteh's nicht.
Herr Schillinger (Geschäftsführer der WG) hat auch stolz den sog.
"Kösecco" gezeigt. Ein "Sommerwein" hauptsächlich aus Müller-Thurgau.
Geschmackvoll entworfene Flasche/Ausstattung. Dass man so etwas macht,
um größere Mengen einfacher, aber solide gemachter Terrassenweine zu
verkaufen, ist sinnvoll und notwendig. Aber doch nicht bei den
Vorzeigeweinen, die nicht nur für den Erzeuger, sondern für die ganze
Region das Aushängeschild sein sollen!
So werde ich nie die Möglichkeit haben, einen Regnum bei mir zuhause
über 2 Abende in Ruhe zu trinken, oder seine Entwicklung über die
Jahre zu verfolgen. Ich kann ihn nämlich nicht kaufen. Schade.
Martin Waßmer, Bad Krozingen-Schlatt
Der stand in meiner Liste, weil sein Spitzenwein 19,90 kostet und als
01er irgendeinen wichtigen Wettbewerb gewonnen hat. Außerdem liegt
Schlatt, wenn auch im Markgräflerland, nur wenige km südlich von
Ihringen, wo ich ohnehin mehrmals im Jahr vorbeikomme. Sein
Spätburgunder-Programm ist klar gegliedert:
1. der normale QbA, 5,10 Euro
2. Markgräflerland, 6,50 Euro
3. Schlatt Maltesergarten, 11,50 Euro
4. SW, 19,90 Euro
Der Markgräflerland wirkte weich, fruchtig, süßlich, trotz nur 0,8 g
Rz. 83 P. Sollte man kaufen, wenn man vor Ort ist, 6,50 Euro ist der
allemal wert.
Der Maltesergarten (kalkhaltiger Löss-Lehm-Boden, die Lage erstreckt
sich über mehrere Gemeinden, weshalb der Wein zukünftig nur noch
"Schlatter" heißen wird) wirkte ebenfalls weich und auch beerig,
insgesamt fruchtiger und voller als der Markgräflerland; 86 P.
Der SW hatte Röstaromen (vom Holz), Würze und wiederum eine gewisse
Süße. 89 P. Stammt ebenfalls aus dem Maltesergarten. Alle Weine wurden
spontanvergoren.
Ende Teil 1
Thomas Deck