Re: 2002er Bordeaux (war: Blameful
Zurück zum aktuellen Forum zum alten Wein-Plus.de Archiv
Betreff: Re: 2002er Bordeaux (war: Blameful
Datum: 2005-11-10 22:45:27Absender: "gerhard praesent"
Lieber Werner,
[Werner]:
>Ich habe im September insgesamt über 20 St. Emilion Grand Crus aus
>beiden Jahrgängen verkostet, jeweils im direkten Vergleich "2002
>gefüllt:2004 Fassprobe".
Grand Crus - oder Grand Crus Classés ?
(das wäre ein gewichtiger Unterschied)
>Pape-Clement fand ich auch recht gelungen, hat jedoch einen gewissen
>Hang zur Überreife, der mir überhaupt nicht gefallen wollte. Daher
>hat der Wein bei mir nur 15/20 gekriegt.
Da gibt es IMHO zwei Möglichkeiten:
1) das war entweder ein anderer Pape-Clement (ich spreche von dem aus
Pessac)
;-)
oder 2) einer von uns hat wenig Ahnung von wirklich gutem Bordeaux.
;-))
Ich neige zur 2.Ansicht, aber wer das nun ist, überlasse ich voller
Vertrauen Dir ....
Beste Grüße
Gerhard
----- Original Message -----
From: "Werner Elflein" <werner.elflein@weinfreaks.de>
To: <weinforum@wein-plus.de>
Sent: Thursday, November 10, 2005 1:44 PM
Subject: [weinforum] Re: 2002er Bordeaux (war: Blameful Ornellaia)
>Zu Bordeaux:
>Mich würde wirklich interessieren, wieviele 2004er Bordeaux (und
>die entsprechenden 2002er) Werner gekostet hat, um solche Aussagen
>einigermaßen glaubwürdig machen zu können. Hat er auch Erfahrung mit
>Bordeaux-Faßproben und deren Entwicklung über Jahre und Jahrzehnte
... ?
Hallo Gerhard,
für eine Momentaufnahme sind Fassproben zwar durchaus hilfreich, aber
um die Entwicklung eines Weines über Jahre und Jahrzehnte beurteilen
zu können, würde ich lieber Flaschen aus der regulären Abfüllung
heranziehen. Mit der Entwicklung von Fassproben über Jahrzehnte
hinweg möchte ich mich nicht beschäftigen.
Ich habe im September insgesamt über 20 St. Emilion Grand Crus aus
beiden Jahrgängen verkostet, jeweils im direkten Vergleich "2002
gefüllt:2004 Fassprobe". In den meisten Fällen war 2004 in der
Prognose besser, manchmal aber auch 2002. Einen Rückschluss auf
andere Bordeaux-Appellationen lässt dies im Moment noch nicht zu.
Laut Alan Winkleman soll es aber im Médoc bei weitem nicht so
schlecht aussehen, wie der Jahrgang teilweise beschrieben worden ist.
Alan spricht hier von einem schwierigen Jahrgang, der aber dennoch
einige sehr gute Weine auch aus dem Cabernet Sauvignon hervorbringen
wird.
>Generell halte ich mich aus der Italien-Ornellaia-Diskussion
heraus,
>da ich sowieso völlig frankophil bin, aber daß Ornellaia für mich
(ohne
>den 2002er zu kennen) zu den allerbesten Weinen aus I gehört,
>unterschreibe ich sofort.
Das bestreitet ja auch niemand, es ging speziell um 2002.
>Aber zu 2002:
>Für mich haben viele Weine vom linken Ufer sehr harte,
>adstringierende, nicht selten grüne Tannine, und nur wenige wirklich
>genügend reife, süße Frucht, um diese Struktur mit Flaschenreife
>auszubalancieren.
Solche Weine waren auch in mehr als ausreichender Zahl anzutreffen.
Aber die Ausnahmen von dieser Regel waren wiederum so zahlreich, dass
man hier meines Erachtens kaum noch von einer Regel sprechen kann.
Letzten Endes haben mir aus 2002 deutlich mehr Weine zugesagt, als in
den Jahren davor (2000, 2001). 2002 ist allerdings deutlich
heterogener, als 2001.
>Mouton gehö rt ausnahmsweise einmal dazu, Pichon-
>Lalande nicht, wenn meine Flasche repräsentativ war. "Schmeichler"
wird
>der Jahrgang sicher keiner, ich sehe da einige "75er" heranreifen,
von
>denen etliche ja bereits ausgetocknet sind, nachdem man 25 Jahre
drauf
>gewartet hat .... und nur einige Wenige sind wirklich groß.
Über die Empfehlungen René Gabriels bezüglich des Reifepotenzials der
2002 habe ich mich gewundert. Für mich dürften die 2002er mehrheitlich
zwischen 2010 und 2015 fällig sein. 25 Jahre würde ich ihnen nicht im
Traum geben.
>ABER etwas steht für mich fest: das rechte Ufer ist 2002 deutlich
>schwächer als links. Ja, einige Weine sind zwar hervorragend
(Ausone!),
>aber der Großteil ist zu wenig konzentriert, und hat dafür zu viel
>Extraktion und teilweise zu viel neues Holz.
Das ist richtig, vom rechten Ufer hat mir - ausgenommen St. Emilion -
so gut wie nichts gefallen. St. Emilion sehe ich jedoch ein ganzes
Stück besser, als den Rest. Pomerol war für mich eine einzige
Katastrophe.
>Einer der schönsten 2002er war für mich übrigens Pape-Clement ....
>(kein schmunzel .... ernst gemeint)
Pape-Clement fand ich auch recht gelungen, hat jedoch einen gewissen
Hang zur Überreife, der mir überhaupt nicht gefallen wollte. Daher
hat der Wein bei mir nur 15/20 gekriegt.
Viele Grüße
Werner
Meine Visitenkarte Online:
www.wein-plus.de/karte/elflein
Dieser Beitrag wurde mit dem webbasierten Zugang zum Forum erstellt:
www.wein-plus.de/forum/
--