Re: 2008er Gutsrieslinge Fritz Haag und
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Betreff: Re: 2008er Gutsrieslinge Fritz Haag und
Datum: 2010-03-04 16:36:13Absender: Werner Müller
Lieber Wolfgang Martin,
Ihre Beurteilung der Gutsrieslinge der beiden Haag-Brüder habe ich mit
großem Interesse gelesen, insbesondere als auch etwas ältere Weine von
beiden Gütern eine kurze Erwähnung finden. Was mich jedoch dazu bringt,
auf Ihr Schreiben zu antworten, ist Ihre Bemerkung, dass die Thörnicher
Ritsch die am stäksten unterbewertete Lage der Mittelmosel sei. Hier
kann ich nur zustimmen! Auch pflichte ich Ihnen absolut bei, dass man
aus der Lage Besseres herausholen kann, als die beiden von Ihnen
benannten Winzer. Es gibt - Gott sei Dank -einen Winzer in Thörnich,
der Weine aus der Ritsch produziert, die mühelos an die größten
Kreszenzen der Mittelmosel heran reichen, meist sogar übertreffen,
gleichgültig ob mit 15 Jahre alten restsüßen oder mit1-3 jährigen
trockenen und halbtrockenen Weinen. Auf Anfrage teile ich gern die
Adresse dieses Winzers mit, aber direkt werben will ich nicht.
Gruß
Werner Müller
Heppenheim
Am 02.03.2010 21:24, schrieb Wolfgang Martin:
> Hallo Forum,
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> Seit einigen Jahren mache ich mir einen Sport daraus, die aktuellen Jahrgänge der trockenen Gutsrieslinge der beiden Brüder Thomas und Oliver Haag miteinander zu vergleichen.
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> Dabei hatte ich 2005 und 2006 Schloß Lieser vorne, 2007 Fritz Haag (mit einem der besten trockenen Gutsrieslinge, den ich je getrunken habe)
>
> Jetzt also 2008, wobei der Haag mit 7,90 Euro etwas teurer als der Schlo ß Lieser ist (6,90 Euro) :
>
> Fritz Haag: mittleres Strohgelb. Etwas Schwefel, Zitrus und Schiefer in der Nase. Schwefel und Schiefer auch am Gaumen. Lebendige Säuren. Schlanksaftiger, geschmeidiger Wein, der das Schieferterroir Braunebergs in einem nicht so günstigen Jahr widerspiegelt. 81 Punkte
>
> Schloß Lieser: brillantes Strohgelb. Cassis, grüne Kräuter, weiße Pfirsich und hinten etwas Schwefel in der Nase. Cassis und grüne Kräut e r am Gaumen. Feste Säuren, kerniger wein, etwas mehr Statur als der Haag. 83 Punkte.
>
> Dieses Jahr also wieder Schloß Lieser. aber das hatte ich mir auch gedacht. Denn die Unterschiede sind m.E. weniger auf die beiden hervorragenden Winzer als auf das Terroir zurück zuführen. Ich gehe mal davon aus, dass der Haag vom Brauneberg und der Lieser vom Lieserer Hang stammt - beides sind Nachbardörfer und nur wenige Kilometer voneinander entfernt. Der Boden ist in Lieser aber tiefer als am Brauneberg und das mag in schwierigen Jahren wie 2008 den etwas volleren und damit bei den kleineren Qualitäten auch gefälligeren Wein geben. Hat man dagegen eine lange Reifeperiode wie 2007 bekommen die feinen Weine der kargen Böden die Fülle, die sie so unvergesslich machen.
>
> Die Cassistöne im Schloß Lieser haben mich persönlich sehr gefreut. Als ich vor über einem Jahrzehnt nach einer phänomenalen Wanderung den Fluss hinunter zum ersten Mal in Lieser war, übernachtete ich im Hotel Mehn und konnte dort alte Weine mit genau diesen Tönen trinken. Weil damals Thomas Haag Schloß Lieser noch nicht übernommen hatte, erklärt e ich den Niederberg-Helden und den Süßenberg (mittlerweile dem Niederberg zugeschlagen) zur unterschätztesten Lage der Mittelmosel. Da hat Thomas Haag ja einiges dran geändert (momentan erkläre ich die Thörnicher Ritsch zur unterbewertesten Lage - da kann man m.E. noch mehr daraus machen als Loewen und Ludwig bisher tun).
>
> Vielleicht ist das alles aber auch nur persönlicher Geschmack. Aber an der Geschichte mit den tiefen Böden und dem Jahrgang ist was dran. Siehe z.B. auch den Graach-Wehlen-Zeltinger Sonnenuhr Hang, der flussabwärts immer felsiger wird: in schlechten Jahren punkten die Graacher, die Wehlener sind immer gut und in guten Jahren übertreffen die Zeltinger Sonnenuhr Weine mit ihrer grandiosen Finesse alles, was es dort sonst noch gibt
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> meint
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> Wolfgang
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> --
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