Re: AW: 08 Felseneck bester trockener
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Betreff: Re: AW: 08 Felseneck bester trockener
Datum: 2010-03-07 12:58:52Absender: "Andreas Haeger"
>ich bin seit Jahren Mitleser bei Wein+ und gehöre zu denen, die
>sich nicht getrauen, ihre Eindrücke über Weine zu
>veröffentlichen,
>da die Worte bzw. die Phantasie fehlen.
>Wie erkennt man bei einem Wein, dass er <engmaschig und straff>
ist,
>dass bei ihm die <Säure herrlich verpackt> ist und der sich
>dabei <Druck ausübend> präsentiert?
Hallo Horst,
diese Begriffe sind undefinierte Phantasiebegriffe, die wenig oder
nichts aussagen. Sie werden verwendet, weil dem Autor definierte Worte
fehlen, er aber mit reichlich Phantasie gesegnet ist :)
Man kann bei Wein - wie bei anderen Lebensmitteln auch - zwischen
Geruch, Geschmack und Mundgefühl (oral trigeminale Reize)
differenzieren. Nasal trigeminale Reize (z.B. das Stechen von SO2)
sind bei Wein eher selten.
Beim Geruch kommt man um Assoziationen bei der Beschreibung (z.B.
"riecht nach Pfirsich, Apfel und Agrumen") oft nicht umhin. Bei der
Identifizierung von Gerüchen kann ein "Aromarad" o.ä. nützlich
sein.
Der Geschmack ist viel einfacher zu beschreiben: Sauer, süß,
salzig, bitter, fleischig.
Das Mundgefühl (oral trigeminale Reize) betrifft beim Wein meist:
Adstringenz, Mundfülle, Viskosität, Wärme/Brennen, Prickeln (CO2).
Mit den Intensitäts-Zeit-Verläufen recht weniger Parameter läßt
sich der sensorische Eindruck, den ein Wein hervorruft, ziemlich
vollständig beschreiben.
Da die Wahrnehmungsschwellen bezüglich Geruch, Geschmack und
Mundgefühl stark unterschiedlich sind, sind solche Beschreibungen
aber nicht unbedingt übertragbar. Beispiele: Bitterkeit wird sehr
unterschiedlich wahrgenommen, siehe "prop-status" und
Nichtschmecker/Schmecker/Superschmecker. Das Mundgefühl der
Adstringenz hängt stark vom individuellen Speichelfluß ab und
Versuche zu Geruchsschwellen zeigen ähnlichen Streeungen.
Dem "Weinkenner-Kauderwelsch" ermangelt es sowohl an der Definition
der verwendeten Termini, zudem wird wird unzureichend zwischen
ästhetischem Urteil (gefällt mir / gefällt mir nicht) und
Beschreibung (was wurde identitifiziert) unterschieden. Schließlich
wird unzureichend zwischen Geruch, Geschmack und Mundgefühl
unterschieden bzw. diese Kategorien vermischt - v.a. retronasales
Geruchsempfinden und Geschmack. Ein Beispiel sind
Geschmacksbeschreibungen, in denen Früchte o. ä. auftauchen - was
der Mensch gar nicht schmecken kann, nur riechen.
Nun könnte man denke, daß zumindest Weinkritiker, Sommeliers oder
andere beruflich mit Wein beschäftigte Menschen ihre Sinneseindrücke
klar formulieren können - doch das ist nach meiner Beobachtung leider
oft nicht der Fall.
Gruß
Andreas
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