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Re: Blameful Ornellaia - blameless Riesling

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Betreff: Re: Blameful Ornellaia - blameless Riesling

Datum: 2005-11-08 21:40:17
Absender:  Werner Elflein



Artur Krüger schrieb:
> jetzt ahne ich es... Ich dachte offen gestanden an
> italienische. OK, hinsichtlich Parkerbashing hast du dich
> tatsächlich schon bemerkenswert lange zurückgehalten. War
> mal wieder überfällig.

Hallo Artur,
hatte ich nicht erwähnt, dass ich zuhause einen Sandsack habe, der eine
Nachbildung von Bobby ist? ;-)

> *LOL* So stellt sich Klein-Lieschen die Welt der großen
> Weine vor. Von Beruf Erbe oder sonstwie zu Kohle gekommen,
> keine Ahnung von Wein, nur Prestige zählt. Gekauft wird
> nach Parkerpunkten, eigener Geschmack Fehlanzeige.

Ach Unsinn! Das Fehlen des eigenen Geschmacks zieht sich durch alle
Gesellschaftsschichten, das ist nicht auf die Wohlhabenden beschränkt.
Dazu kommt: Der Geschmackssinn verroht immer mehr. Und dies ist sicher
keine Verschwörungstheorie, sondern bittere Realität. Erst heute musste
ich mich wieder wundern. Bordeauxpräsentation der sopexa in Düsseldorf
(übrigens eine sehr gelungene Veranstaltung in einem tollen Rahmen mit
sehr schönen Weinen im Niedrigpreissegment; es gibt in Bordeaux durchaus
noch einiges zu entdecken):
Eine Flasche hatte einen üblen Fehler, der Wein stank penetrant nach
Stall, so richtig nach ... - du weißt schon. (Nein, nicht Parker! Auch
nicht sein abgrundtief hässlicher Qualzucht-Köter!) Also wie ein Stall
mit viel Sch... drin eben riecht. Als diese Flasche reklamiert wurde,
war sie so gut wie leer. Vorher hatten eine ganze Reihe Besucher den
Wein anstandslos getrunken. Obwohl er nach Sch... roch.
Dafür fehlt mir jedes Verständnis. Da komm ich einfach nicht mehr mit.
Das Erkennen eines solchen Geruchsbildes ist doch nun wirklich
elementar. Die Fähigkeit, so einen Gestank wahrzunehmen, hat vielen
Generationen unserer Vorfahren noch das Leben gerettet.

Und du traust also weiten Teilen der Bevölkerung noch einen "eigenen
Geschmack" zu? Eigen mag das sein, aber von einem Geschmack mag ich da
nicht mehr reden wollen. (Zur Ehrenrettung des Winzers: Die zweite
Flasche war einwandfrei.)

> Ach so deswegen? Das sind viele andere Weine noch eher. Bist du
> etwa "Etiketten-Trinker"? Das Niveau ist unverändert überzogen!
> Wenn man die Zahlen sieht, sind die Weine preislich sogar noch
> höher als 1994 - ein ähnliche mittelmäßiges Jahr. Nur, damals
> hatten wir noch DM...

Also, wenn wir über 2004 reden, haben wir es sicher nicht mit einem
mittelmäßigen Jahr zu tun. Es wird sich meiner Meinung nach und nach
dem, was ich bisher als Fassprobe probiert habe, knapp hinter dem guten
2002er Jahrgang positionieren.

>>In Bordeaux gehen die Preise wenigstens auch mal wieder
>>runter
>
> Na toll! Wenn ich die Preise vorher auf das höchste Niveau
> aller Zeiten hieve und hinterher wieder ein bisschen runtergehe,
> freut sich "Ottonormalweinfreak". Du liest zuviel VINUM, die
> den gleichen Unsinn predigten.

Entschuldige, ich selbst habe einige wundervolle 2002er zu meiner
Meinung nach sehr fairen Preisen gekauft. Darunter Giscours,
Smith-Haut-Lafitte, d'Armailhac etc. Und auch einige sehr gute Crus
Bourgeois reißen keineswegs allzu große Löcher ins Budget. Also wo ist
das Problem? Keiner dieser Weine kostete deutlich mehr als 30,- Euro die
Flasche.

> Für ein mittelmäßiges Jahr wie
> 2004 gingen die Preise viel zu wenig runter und die Premiers,
> allen voraus Latour, und ein paar aus der zweiten Reihe waren
> absurd überteuert! Das gleiche Spielchen wie mit dem ebenfalls
> viel zu teuren 01er wird sich beim 04er wiederholen. Hinterher
> wirst du alle günstiger als in Subskription bekommen.

Subskription? Bei dieser Preisentwicklung? Nicht doch!
Außerdem: Bordeaux besteht ja nicht nur aus den Premiers und der
sogenannten "zweiten Reihe". Gerade aus 2002 haben mich sehr viele
Erzeuger auch aus der "dritten Reihe" überzeugt.
Dich etwa nicht?

Viele Grüße
Werner

--