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Re: DAC in Austria

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Betreff: Re: DAC in Austria

Datum: 2010-03-17 10:32:57
Absender:  "Weingut Grenzhof Fiedler"




Hallo Gerhard!

Als noch älterer Hase in Sachen DAC-Diskussion als Herbert stehe ich
der Sache durchaus kritisch (wenn auch konstruktiv) gegenüber. Deine
folgende Aussage kann ich jedoch nicht teilen (was nichts mit meiner
"Befangenheit" als Winzer in dieser Region zu tun hat):

>Mit DAC Leithaberg wurde glaub ich der Bogen überspannt, 5
Rebsorten, >rot und weiss - und eine ziemlich große Region - wo
bleibt da das
>Typische, Wiederekennbare ?

Leithaberg könnte nämlich im Gegenteil die erste DAC-Region sein,
die es tatsächlich schafft, die Herkunft sowohl im Geschmack als auch
in der Wahrnehmung in den Vordergrund und die Sorte(n) in den
Hintergrund zu rücken, was ja eigentlich der Grundgedanke der
herkunftsorientierten Weinbezeichnung ist.

Das Selbstverständnis der Leithaberg-Gremien und die
Detailbestimmungen rücken nämlich den gemeinsamen Weinstil weit
über die Sorten(bezeichnung). Und die Tatsache, dass es sich
ausschließlich um Weine der "Reserve-Kategorie" handelt, macht es
auch einiges leichter, die Gebietstypizität herauszuarbeiten als das
zwangsläufig deutlich stärker an Markt- und Konsumentenwünschen
orientierte Basissegment.

Obwohl das Gebiet relativ groß ist, werden deshalb auch
vergleichsweise wenig DAC-Weine auf den Markt kommen. Damit ist das
DAC auch nicht einfach eine Umetikettierung bestehender Weintypen im
großen Stil (wie anderswo), sondern tatsächlich etwas
Eigenständiges und eine neu definierte Herkunftstypizität.

Mit der Chance, dass diese auf dem Etikett nicht nur im
Kleingedruckten verschwindet (wie anderswo) oder nur die drei
ominösen Buchstaben DAC wahrgenommen werden. Also kein
"DACK"-Blaufränkisch, egal wo er herkommt, sondern ein Leithaberg
Rot. Kein "DACK"-Veltliner, bei dem das Wichtigste, die Herkunft
nämlich gar nicht wahrgenommen wird, sondern ein Leithaberg Weiß.

Auch folgende Aussage ist für mich nicht nachvollziehbar:

>DAC Eisenberg hingegen klingt wieder plausibler - vom
Verschlußproblem >einmal abgesehen ... (da halt ich mich raus ... hab
da so meine Ansicht) >- nur ist es schon wieder ein Blaufränkisch
(also ob es keinen Zweigelt,
>Blauburgunder, St.Laurent etc. gäbe ... natürlich nicht dort!)

Eine herkunftsorientierte Weinbezeichnung kann nicht dazu dienen,
übers ganze Land möglichst alle Sorten halbwegs geschickt verteilt
irgendwo in den DAC-Status zu bekommen.

Sie dient vielmehr dazu, jenen Weine, die am ehesten in der Lage
sind, die Besonderheit des Gebietes zu transportieren einen
"Sonderstatus" zu verleihen. In drei der vier burgenländischen
Weinbaugebiete ist das nun einmal der Blaufränkisch. Bei aller Liebe
zu Pinot Noir und St. Laurent, aber sie haben weder die Bedeutung noch
das Potential, um burgenländische Weinbaugebiete unverwechselbar im
Glas darzustellen.

Ob es der (reinsortige) Zweigelt hat, kann man streiten. Wenn, dann
aber ganz sicher ausschließlich im Weinbaugebiet Neusiedlersee.

Damit es gelingen kann, trotz mehrerer Gebiete mit gleichen
Leitsorten deren unterschiedliche Stile klar herauszuarbeiten hätte
das DAC-Konzept meiner Meinung nach ausschließlich im Bereich der
höheren Qualitäten angewendet werden sollen.

Denn, bei aller Freundschaft, ein Veltliner oder Blaufränkisch um 5
Euro kann nicht (aus wirtschaftlichen Überlegungen wie Hektarerträge
etc.) und soll nicht (aus vermarktungstechnischen Gründen wie die
Focussierung auf Sortentypizität und breiten Publikumsgeschmack) die
regionale Eigenständigkeit auf die Spitze treiben.

Weine, die primär unter dem Namen der Herkunft vermarktet werden
sollten das aber schon tun. Und deshalb ist es für mich auch ein
Mißbrauch des Grundgedankens der herkunftsbasierten Weinbezeichnung,
wenn sie primär aus marketingpolitischen Gründen für Alltagsweine
angewendet wird.

Grüße

Bernhard



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