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Re: DAC in Austria

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Betreff: Re: DAC in Austria

Datum: 2010-03-17 11:52:08
Absender:  Michael Eichinger



Hallo Herbert, hallo Gerhard,
interessante Positionen, die ihr da in die Diskussion einbringt. Das
macht Lust auf einige Anmerkungen in diesem Zusammenhang.
Zunächst einmal möchte ich auf die Größe des Weinlands Ö und der damit
verbundenen Frage, ob eine DAC überhaupt Sinn macht, eingehen.
Zugegeben, mit den rund 50.000 Hektar wird Ö sicher nicht zum
Weltversorger aufsteigen. Das braucht es auch nicht, das machen andere
(besser?). Ö muss(te) sich also anders positionieren.
Bis zum unrühmlichen Jahr 1985 versuchte man ja mehr oder weniger
erfolgreich den Markt mengenmäßig zu bedienen. Gott sei dank
scheiterte diese Unternehmung und man besann sich auf Stärken wie z.B.
Sortenvielfalt und die Typizität der Gebiete. Das nebenbei auch
erfreulicherweise neue Weinbereitungsmethoden Einzug hielten, sei nur
am Rande erwähnt.
Was folgte, war ein beispielhafter und in vielen Ländern beachteter
Aufstieg, manchmal auch auf Augenhöhe zur Weltspitze - und dies ohne
dabei riesige Mengen zu produzieren.
Daher war es nur logisch und konsequent, den 16 Weinbaugebieten auch
rechtlich die Möglichkeit zu geben, dergestalt charakteristische Weine
zu erzeugen und zu vermarkten.
Und nun zur eigentlichen Kritik:
Ob man jetzt diese Gebietstypizität schmeckt oder nicht ist zunächst
nebensächlich: in erster Linie sollten ja Charakter
und Eigenständigkeit hervorstechen, der Wein sollte den Genießer
neugierig machen, ihn faszinieren und die Handschrift des Winzers
erkennen lassen. Geht es dann noch zusätzlich um den Faktor Qualität,
braucht es Spitzenwinzer, die diese in höchstem Maße sowohl im In- als
auch Ausland repräsentieren. Wird solcherart die Qualitätsspitze
definiert, ergeben sich automatisch Lenkungseffekte wie Aufmerksamkeit
(im In- u. Ausland) und Nachfrage.
Anders ausgedrückt:
Einen F.X. Pichler kennt jeder halbwegs weinversierte Konsument.
Unbestritten ist auch der F.X.sche Qualitätsanspruch, dennoch kann er
nur eine geringe Nachfrage bedienen. Hat er nun einen neuen Gipfelsieg
(sprich neuen Markt) errungen, sollte es auch kleineren, international
weniger bekannten Winzern möglich sein, die Nachfrage zu befriedigen.
Vorausgesetzt natürlich, dass sie sich an diesem Gipfel orientieren.

Was ich allerdings in der Entwicklung kritisiere - und da bin ich bei
dir Gerhard - ist die Tendenz zur fehlenden Unterscheidbarkeit bei den
einzelnen DACs. Dafür kann und will ich aber nicht nur die identischen
Rebsorten verantwortlich machen. Obschon der Gedanke von dir einen
gewissen Reiz in sich birgt, auch einmal zB einem Rotgipfler DAC-Ehren
zukommen zu lassen ;-)

Bezüglich des leidigen Verschlussthemas möchte ich zum Schluss
anmerken, dass ich auch hier nur den Kopf schütteln kann ob so wenig
Initiativbereitschaft. Es hat zwar nicht zwangsläufig mit
Gebietstypizität zu tun, wäre aber ebenfalls geeignet, sich hier
positiv bemerkbar zu machen. An dieser Stelle sei einmal mehr unserem
in dieser Hinsicht sehr leidenschaftlichen Michael P. gedankt, der es
immer wieder schafft, dieses Thema aktuell zu platzieren.

In diesem Sinne wünsche ich Euch
mit den ersten Sonnenstrahlen vom Attersee
immer einen guten Tropfen im Glas
Michael E.


Am 16.03.2010 um 17:30 schrieb gerhard praesent:

> Hallo Herbert,
>
>> Kann mir heute jemand (der österreichischen Forumsteilnehmer) noch
>> auf
>> Anhieb und ohne große Überlegungen alle DAC-Gebiete und ihre
>> gebietsspezifischen Bestimmungen , die wir zwischenzeitlich haben,
>> nennen?
>
> die Gebiete schon, auch die Rebsorten und Typizitäten, die
> detaillierten
> Bestimmungen brauch ich als Konsument nicht zu kennen .... so wie der
> Burgunderliebhaber
> den Mindestalk. von Romanee-Conti auch nicht wissen muß. ;-)
>
> Generell stehe (stand) ich der Idee als Weinfreund ja positiv
> gegenüber, die
> DAC Weinviertel hat mich zB anfangs überzeugt - und ich habe auch
> etliche
> wirklich gute und typische Vertreter gefunden und auch als Alltagswein
> gekauft.
>
> Auch Mittelburgenland DAC ist ok.
>
> Bie den 3 benachbarten und sich sehr ähnlichen DACs Traisental,
> Kremstal und
> Kamptal war ich schon skeptisch .... denn mir sind zwar einige gute
> Produzenten aus den Gebieten bekannt, irgendeine lokalspezifische
> Typizit ät
> kann ich aber nicht nennen - und die Rebsorten GV + R sind ja
> identisch.
>
> Mit DAC Leithaberg wurde glaub ich der Bogen überspannt, 5
> Rebsorten, rot
> und weiss - und eine ziemlich große Region - wo bleibt da das
> Typische,
> Wiederekennbare ?
>
> DAC Eisenberg hingegen klingt wieder plausibler - vom Verschlußproblem
> einmal abgesehen ... (da halt ich mich raus ... hab da so meine
> Ansicht) -
> nur ist es schon wieder ein Blaufränkisch (also ob es keinen Zweigelt,
> Blauburgunder, St.Laurent etc. gäbe ... natürlich nicht dort!)
>
> Ich sehe also die DACs nicht so negativ wie du, nur die Richtung und
> Einseitigkeit der Entwicklung besorgt mich etwas ... wir haben jetzt
> schon 5
> x GV, 3 x Riesling, 2 x BF, wobei die "Einmaligkeit" dieser Weine ein
> bißchen fragwürdig ist - aber etliche andere Qualitätssorten sind
> nicht
> vertreten (ob Neuburger eine ist, darüber kann man ja diskutieren)
> .
> Ob sich andererseits die Wachau bzw. Steiermark (Steir. Klassik
> etc.) von
> diesem Trend vereinnahmen lassen wird, wage ich zu bezweifeln.
>
> Was die geringen Mengen für Export betrifft: GV bzw. Blaufränkisch
> gibts
> nun nicht sooo wenig in diesen Gebieten - und wenn die Partien zu
> groß sind,
> ist´s mit der Qualität eh wieder Essig - dann wären wir wieder beim
> Roten
> und Weissen Storch ....
>
> und BTW: Vosne-Romanée, Savigny-les-Beaune und Batard-Montrachet gibts
> sicher noch weniger ... Cote-Rotie ebenso .... aber wenns die Leute
> wollen,
> bekommen sie´s (für gutes Geld)
> ;-)
>
> Schöne Grüße
> Gerhard
>
>
>
> ----- Original Message -----
> From: "weingeist" <weingeist@telering.at>
> To: <tache@direkt.at>
> Sent: Tuesday, March 16, 2010 4:11 PM
> Subject: [weinforum] DAC in Austria
>
>
>> Liebe Weinfreundinnen und Weinfreunde!
>>
>> Ich schreibe, animiert durch den Beitrag von Michael P. über die
>> neue DAC
>> Eisenberg, wo er sich zu Recht wegen der Vorgabe des Korkverschlusses
>> etwas
>> aufgeregt hat, einmal einige Zeilen (in sehr gekürzter Fassung) aus
>> meiner
>> Sicht, zu diesem leidigen Thema "DAC in Austria".
>>
>> Schon bei den ersten Überlegungen zu dem Thema DAC hat sich für
>> mich die
>> Sinnhaftigkeit einer solchen Regelung für Österreich gestellt.
>> Wenn dann
>> noch die Argumente aus dem Weinmarketing gekommen sind, dass man so
>> etwas
>> in
>> Österreich braucht, um dem Konsumenten (hauptsächlich im Ausland, ich
>> denke
>> nicht, dass im österreichischen Lebensmittelhandel jemand stark auf
>> DAC
>> achtet) einen bestimmten Geschmack bei einer gekauften Flasche Wein
>> zu
>> vermitteln bzw. eine bestimmte Erwartungshaltung bei einem solchen
>> Wein zu
>> befriedigen, dann müsste unsere Jahresproduktion schon einen
>> wesentlich
>> größeren Ausstoß haben, als wir es in den kleinen DAC-Gebieten
>> jemals
>> erreichen können.
>>
>> Unsere Weinbaugebiete sind doch bitte für die angestrebten Ziele
>> viel zu
>> klein. Einzig das Weinviertel wäre vielleicht noch groß genug
>> gewesen,
>> aber
>> hier haben wir dafür wieder das Problem, das in unterschiedlichsten
>> Regionen
>> und auf unterschiedlichsten Böden die unterschiedlichsten Grünen
>> Veltliner
>> (sind wir doch dankbar dafür) wachsen. Wieso teilen wir denn
>> innerhalb
>> von
>> Österreich, innerhalb von Niederösterreich und sogar innerhalb des
>> Weinviertels auch noch dieses selbst in bestimmte Gebiete wie
>> südliches
>> Weinviertel oder nördliches Weinviertel,....?
>>
>> Übrigens, die DAC Weinviertel hätte mich fast bekehrt. Die
>> Anfangserfolge
>> waren da, nur gemacht hat man daraus nichts. Heute hört man schon an
>> allen
>> Ecken und Enden (in Österreich sagt man dazu auch "die Spatzen
>> pfeifen es
>> schon von den Dächern"), dass die Weine zum Teil enttäuschen, dass
>> die
>> Qualität nicht überall einem DAC würdig ist, dass sogar zum Teil die
>> Marketingmaßnahmen den gewünschten Erfolg schmälern, da sie nicht
>> konsequent, konzentriert und zielorientiert eingesetzt werden. Wir
>> sind
>> also
>> wieder dort, wo wir schon einmal waren - jeder Winzer kocht sein
>> eigenes
>> Süppchen (was ich vollkommen verstehe).
>>
>> Kann mir heute jemand (der österreichischen Forumsteilnehmer) noch
>> auf
>> Anhieb und ohne große Überlegungen alle DAC-Gebiete und ihre
>> gebietsspezifischen Bestimmungen , die wir zwischenzeitlich haben,
>> nennen?
>> Ich denke, wenn wir ehrlich sind, brauchen wir dazu alle das
>> österreichische
>> Weingesetz mit seinen einzelnen DAC-Verordnungen. Man kann allen
>> Verantwortlichen zu diesem "Erfolg" nur beglückwünschen. Wenn dann in
>> regionalen Komitees noch Leute sitzen, für die der Korkverschluss
>> anscheinend noch immer das absolute NonPlusUltra in der
>> Verschlussdiskussion
>> darstellt, sodass sie diesen für bestimmte Weine auch noch
>> vorschreiben,
>> und
>> es andererseits aber auch seitens der Winzerschaft die Bereitschaft
>> dazu
>> gibt, bei einer solchen Sache mitzuspielen, und nicht vehement
>> dagegen
>> aufzutreten, erübrigt sich für mich eigentlich jede weitere
>> Diskussion
>> darüber. Gute Nacht Österreich! Gute Nacht DAC!
>>
>> Liebe Grüße
>> Herbert
>> vulgo weingeist (der sich selten im Forum zu Wort meldet, aber gerne
>> mitliest)
>>
>>
>>
>> Für alle die es vielleicht doch interessiert, meine, im Jahr 2000 zu
>> diesem
>> Thema gegenüber österreichischen Meinungsbildnern geäußerten
>> Gedanken
>> (Achtung sehr lange):
>>
>> "Nüchterne" Betrachtung eines Weinfreundes zu diesem Thema
>>
>> Längere Zeit schon, genauer gesagt meines Wissens nach bereits seit
>> Anfang
>> 1998, tauchen in der österreichischen Weinlandschaft diese
>> magischen drei
>> Buchstaben in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen immer
>> wieder auf.
>> Befürworter und Gegner setzen sich an "runde" Tische, um jeweils den
>> Anderen
>> von der Sinnhaftigkeit oder Sinnlosigkeit, je nachdem aus welchem
>> Blickwinkel man die ganze Sache betrachtet, zu überzeugen. Als
>> kritischer
>> Weinfreund, der sich mit der österreichischen, wie mit der
>> ausländisc he n
>> Weinlandschaft doch recht intensiv auseinandersetzt, muss ich ehrlich
>> gestehen, dass sowohl positive wie auch negative Aspekte, gerade
>> bei dem
>> Thema DAC, eng nebeneinander liegen. Trotzdem überwiegt bei mir
>> persönlich
>> eine eher ablehnende Haltung zur Einführung des Begriffes "DAC".
>> Warum
>> dies
>> so ist, möchte ich im Folgenden näher erläutern. Zu diesem Zweck
>> sollten
>> wir
>> uns einmal näher überlegen bzw. in Erinnerung rufen,
>> wozu und von wem überhaupt diese Diskussion vom Zaun gebrochen wurde.
>>
>> Dr. Berthold Salomon, Chef der Österreichischen Weinmarketing
>> Gesellschaft,
>> sieht große Probleme bei der Vermarktung österreichischen Weines im
>> internationalen Wettbewerb aufgrund der komplizierten und überladenen
>> Etiketten. Daher wurde von ihm laut über eine