Re: Im Gefolge der Heiligen Drei Koenige -
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Betreff: Re: Im Gefolge der Heiligen Drei Koenige -
Datum: 2007-02-26 09:49:23Absender: "Christian Segers"
... von wegen , Martin : " der Chronist tut >still< in
seiner Ecke sitzen " .... ! Selbst wenn Du einen sitzen
hattest , warst Du mir Dörfler niieee still vorgekommen !
Sondern sehr "wortgewaltig" hast Du doch jeden noch so
flöcken >3,3 Punkte Wein "etwas" abgewinnen können. Nur
>WAS< , datt verstand selbst ich "Kryptikus" nitt mehr
so genau . Zu laut und weinselig war`s Kellertreiben bei
Fritze Zickuhr! Grüß mir die >"Rasselbande"< um den Hein
von Haus zu Haus !
Bist immer und beharrlich jedem in`s Wort gekommen und
bist damit auch oft "durchgekommen" ! Da erinnere ich
mich doch sehr gut an die Abende/Nächte in Deiner Näh`!
Auch wenn die Zeit mir in der "Ballerbuud" sehr so knapp
wurd`,hier im >türkischen Internet-Cafe< am Niederrhein ,
ett musste sein : Deine / Eure DeGu-Berichte zog ich mir
immer -oft mit leiser Wehmut, aber stets lächelnd- rein !
Es wird aber auch mal wedder Ziieht , datt isch Üsch be-
zöke kumm; dann krüsch wedder krumm in Kölle rum unn nah
Huus mit ......" lustiug, lustiug trallalallah , ich war
an *Martin`s-Abend* da " ! ;-)) !! Eure Olle Weinnase !
-------- Original-Nachricht --------
Datum: Sun, 25 Feb 2007 17:22:15 +0100
Von: "wolfgang martin" <nc-martinwo@netcologne.de>
An: weinnase@gmx.de
CC:
Betreff: [weinforum] Im Gefolge der Heiligen Drei Koenige - Koelner trinken Nebbiolo
>
> Liebes Forum,
>
> mit mehreren Monaten Verspätung erscheint doch noch das Protokoll unserer
> Weihnachtsprobe
>
>
>
> Im Gefolge der Heiligen Drei Könige - Kölner trinken Nebbiolo
>
> Weihnachten - immer ein ganz besonderes Fest für unsere Seilschaft,
> wollen
> wir dazu doch allen Streit und Hader der vergangenen Proben begraben. Wir
> wollen die unseligen Diskussionen, ob dieser Wein 13 Punkte oder nur 12
> verdient hat, vergessen machen. Wir wollen unsere Mitseilschafter für die
> garstigen Ausdrücke, die wir Ihnen an den Kopf geworfen hatten (deren
> önologischer Bezug von "Wuchttrinker", "Marmeladenstreicher",
> "Möselchen-Suffragette" im Laufe der Probe zu "Tölpel", "Dummkopf",
> "Esel
> abnimmt) um Vergebung bitten. Wir wollen dem Chronisten schließlich
> Abbitte
> tun für alle unverschämten Anschuldigungen, er würde sowieso immer nur
> seine
> Meinung aufschreiben und würde nur deshalb so lange Vorreden schreiben,
> damit seine verqueren Urteile erst gar nicht gelesen werden, schließlic h
> sei
> sein mangelnder Sachverstand schon auf dem großen Treffen auf Schloß Aul
> bezeugt, wo er sich weigerte, den 83er Haut Brion schlecht zu finden.
>
> So läd der Hein im Dezember zur Weihnachtsprobe als einem Fest von Liebe,
> Anstand und purer Freude. Dazu soll es dann immer einige besonders gute
> und
> auch teuere Weine geben, schließlich gab es vor 10 Jahren noch
> Weihnachtsgeld in diesem Monat und Tradition ist Tradition.
>
> Unser Hein hat damit immer vollen Erfolg. Statt Streit und Hader gibt es
> Zwietracht und Wutausbrüche. Es wird nicht mehr darum gestritten, ob der
> Wein 12 oder 13, sonder ob er 16 oder 17 Punkte verdient. Der önologisc he
> Bezug der Anreden nimmt von "Babymörder", "Leichenfledderer" und
> "Etikettentrinker" zu "Schwatztante", "Rindvieh" und "Schafskopf" ab. Nur
> der Chronist sitzt wie immer still in seiner Ecke, bildet sich
> pluralistisch
> seine zwei bis drei Meinungen und hat dann über die Feiertage Zeit, eine
> lange Vorrede auszudenken, in der unbedingt erwähnt werden muss, dass er
> schon damals auf Schloss Aul mit der Weigerung, den 83er Haut Brion
> schlecht zu finden, mutig gegen jeglichen Strom von parkerisierten
> versamten
> Dieletanten und gräflich koalisierenden Knalltüten angeschwommen ist.
>
> Weihnachten in Kölle ist natürlich nicht wie Weihnachten sonst wo. Wir
> in
> Köln müssen Weihnachten was schenken. Schließlich liegen hier die
> Heiligen
> Drei Könige begraben, die sozusagen das Urheberrecht auf das
> weihnachtliche
> Schenken haben. Es zeugt nur von der mildtätigen Art der kölschen Seele,
> dass wir zu Neujahr nicht jeden Familienvater, Tante, Onkel und Freundin
> verklagen, die außerhalb Kölns dieses Patent unserer Kölner König e
> verletzen - pro Sockenpaar wären dann fünfzig Cent und pro Schlips ein
> Euro
> dreißig fällig !
>
> Um es noch einmal ins Gedächtnis zu rufen, der Kollege des Chronisten
> schrieb anno dazumal: "Da sie den Stern sahen, wurden sie hoch erfreut und
> gingen in das Haus und fanden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und
> fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten
> ihm
> Gold, Weihrauch und Myrrhe."
>
> Was wollen wir also dieses Jahr dem Christkind schenken ? Gold, Weihrauch
> und Myrrhe gehen nicht, weil ja schon vorhanden. Außerdem sind wir eine
> Weinrunde - also schenken wir Wein ! Neue Welt war damals noch nicht
> entdeckt, fällt also aus. In Bordeaux und Burgund tranken Kelten Met,
> aber
> keinen Cabernet und keinen Pinot Noir. Château Musar und Kefraya wäre n
> natürlich engere Wahl, aber vielleicht hat die Joseph schon im Keller
> liegen - kommen ja aus der Ecke. Also was aus dem Zentrum des römischen
> Reiches : Toskana ist zu langweilig, bleibt Piemont.
>
> Im Gefolge seiner Exzellenzen, der Heiligen Drei Könige, trank die
> Kölner
> Seilschaft im Dezember Barbaresco und Barolo !
>
> Den Lehrstoff zu besorgen wurde ein italienischer Weinhändler und ein
> ex-italienischer Weinhändler bestimmt, die allerdings einerseits der
> westerwäldischen und andererseits der mittelrheinischen Nationalität
> angehörten, aber nur italienische Wein handeln oder gehandelt haben ohne
> deshalb gleich Pizza zu backen und überhaupt mit dem Herzen längst zu
> solchen Wahlitalienern geworden sind, dass sich mancher Berlusconi
> schämen
> muss.
>
> Wer aber sollte zu diesem Fest der Liebe und der Andacht eingeladen werden
> ?
> Maria ging natürlich nicht, weil ja hochschwanger. Wenn auch die alte,
> erfahrene Hebamme damals dem Chronisten erzählt hat, dass ein Gläsch en
> nichts schadet sondern Lebensfreude an das Baby überträgt, so muss der
> Chronist diese These in Anbetracht der aktuellen schulischen Leistung
> seiner
> Sprösslinge doch in Zweifel ziehen und außerdem wollten wir erheblich
> mehr
> als ein Glas trinken. Maria schied also aus!
>
> So lud der Hein die allbekannte Seilschaft ein und statt Maria erschien
> Ann-Katrin und brachte ihren Hund mit. Da legten sich die Stirnen des
> Hein,
> des Herrn der Katakomben und unserer beiden Edel-Italiener in tiefe
> Sorgenfalten, hatte doch der Hund des Ex-Händlers bei der Lieferung des
> Lehrstoffes am Tag zuvor eine geöffnete Flasche Barolo umgestoßen, um
> dann
> den Inhalt genüsslich aufzulecken. Seine Kennerschaft hatte der Hund
> dabei
> durch die Auswahl eines Giacosas aus den 80er Jahren bewiesen, der der
> Seilschaft somit nicht mehr zur Verfügung stand und uns nur als roter
> Fleck
> vom Teppich der Katakomben her höhnisch anstarrte. Womit auch erklärt
> wäre,
> warum der Ex-Händler heute ein Ex-Händler ist: schlimm genug, wenn der
> Händler selber sein bester Konsument ist, aber wenn dann auch noch der
> Hund
> säuft.....
>
> Ann-Katrin aber konnte glaubhaft versichern, dass ihr Hund zu jung zum
> Rotwein trinken sei und bisher nur an Riesling von Rhein und Mosel naschen
> würde, besonders wenn sie edelsüß seien. So durfte dann der Hund brav
> unter
> ihrem Stuhl Platz nehmen und wann immer er auf die aufgereihten Flaschen
> schielte, reichte ein kurzes Pitbull-Knurren der versammelten Seilschaft
> aus, ihm sämtliche Lust auf Nebbiolo auszutreiben.
>
> Lehrreich wie immer wurde die Probe von Oliver Wirtz mit einem Vortrag
> über
> Barbaresco eröffnet. Hinter seinem Rücken sorgten dann eifrige Zuhörer
> dafür, dass da auch schon die Flaschen um den Tisch gingen:
>
> Während früher einfach Barbaresco verkauft wurde - evtl. noch im Gespann
> mit
> einer Riserva - besinnt man sich in letzter Zeit immer mehr auf
> lagenweisen
> Ausbau und versucht so "Terroircharakter" in den Wein zu bringen. Dabei
> werden zwischen 17 und 24 Lagen als Grand Cru angesehen. Ob dies mehr als
> nur ein Marketinginstrument ist, versuchte der erste Teil der Probe zu
> ergründen: 6 Weine aus gleichem Jahrgang und vom gleichen Erzeuger von 5
> verschiedenen Lagen mitsamt dem Basiswein.
>
> 1. 1999er Barbaresco, Produttori del Barbaresco, ca. 20,00 Euro:
> brillantes,
> feuriges Rubinrot. Kräuter und Sauerkirsche in Nase und Mund. Lebendige
> Säuren wie alle Nebbiolos. Weiche, aber präsente Tannine. Der Wein ist
> ausgereift, wenn auch noch lagerfähig. Die 3 Gläser im Gambero Rosso
> sind
> eindeutig übertrieben, aber ein solider, schöner Wein. Die Runde wertet
> 14,0 - 14,5 Punkte.
>
> 2. 1999er Ovello, Produttori del Barbaresco, ca. 24,00 Euro: brillantes
> Purpurgranat. Süßer Holunder in der Nase, Pflaume, dunkle Beeren und
> Kräuter
> am Gaumen. Der saftige Wein besticht durch Kern und Kraft (auch in den
> Tanninen) und hat noch einige Zukunft. Sehr gut. Nur eine Minderheit
> verharrt bei 15,0 Punkten, die Mehrheit wertet 15,5 - 16,5 Punkte. Der
> Minderheit - so wird sich später zeigen - fehlt die Wucht bei den eher
> schlank gebauten Weinen.
>
> 3. 1999er Rabaja, Produttori del Barbaresco, ca. 28,00 Euro: Purpurgranat.
> Kräuter, Kirschen und Brombeeren im Bukett. Sauerkirsche, lebendige
> Säure
> und Brombeeren am Gaumen. Der Wein hat Tiefe, Eleganz und Delikatesse und
> wird von Mehrheit und Minderheit einen halben Punkt über den Vorgänge r
> gestellt, weil ein Stück komplexer. So 15,5 - 16,5 Punkte
>
> 4. 1999er Asili, Produttori del Barbaresco, 27,50 Euro: dichtes
> Granatrot.
> Menthol und Leder in der Nase. Dunkle Beeren und eine gewisse Erdigkeit am
> Gaumen. Im Vergleich zu den Vorgängern recht abgerundet. Fängt für
> viele
> Seilschafter grandios an und hält dann nicht ganz, was er verspricht.
> Alle
> sind sich bei 15,5 - 16,0 Punkten einig.
>
> 5. 1999er Rio Sordo, Produttori del Barbaresco, ca. 28,00 Euro: helles
> Granatrot. Kräuter und Waldpilze in der Nase, Kräuter und Unterholz im
> Mund.
> Burgunderähnlich. Kraftvoll, kerniger wein mit markanten Säuren und
> Tanninen. Der Wein wird von einer Minderheit bei 15,0 - 15,5 Punkten
> gesehen. Für viele birgt der Wein ein kleines Geheimnis und gilt als
> charaktervoller als der Vorgänger: 16,0 - 16,5 Punkte
>
> 6. 1999er Montestefano, Produttori del Barbaresco, 27,50 Euro: dichtes
> Granatrot. Holz und Teer in der Nase. Waldpilze und Kirsche am Gaumen.
> Kraft
> und Eleganz paaren sich zu einem ausgezeichneten Ensemble. Der Wein ist
> ähnlich burgundisch wie der Vorgänger, hat aber mehr Eleganz und
> Delikatesse. 16,5 - 17,5 Punkte bei allen.
>
> Wir tranken also in der Tat Weine mit unterschiedlicher Charakteristik. Ob
> das am Terroir oder an verschiedenen Ausbaustilen des Erzeugers lag, muss
> natürlich weiteren Degustationen vorbehalten sein. Oliver Wirtz sehe sich
> an dieser Stelle von der Seilschaft ausdrücklich dazu aufgefordert, dass
> entsprechende Probenmaterial in ausreichender Menge (200 - 300 Flaschen
> sollten genügen) zur Verfügung zu stellen.
>
> Es folgte ein kleines Ratespiel. Die nächsten 3 Weine sind alle aus der
> Nebbiolo-Rebe gemacht und alle aus 1999. aber sind es auch Barbarescos ?
> Dem
> Leser will die Chronik das Rätsel allerdings ersparen und nur vom
> Ergebnis
> berichten:
>
> 7. 1999er Prestigio, DOC Valtellina Superiore, Casa Vinicola Triucca, :
> Granatrot. Dunkle Beeren in Nase und Mund. Mittelsaftiger, geschmeidiger
> Wein. Erheblich einfacher als die Vorgänger. Reif und sollte jetzt
> getrunken
> werden. Alle vergeben 14,0 Punkte und erkennen, dass dies kein Barbaresco
> ist.
>
> 8. 1999er Santo Stefano di Neive, DOCG Barbaresco, Bruno Giacosa:
> Granatrot.
> Brombeere, Teer und etwas Patex in der Nase. Dunkle Beerenaromen am
> Gaumen.
> Kraftvoller, dichter Wein mit viel Struktur. 2 finden den Wein wegen dem
> Pattex-Ton in der Nase für nicht bewertbar, der Rest wertet 15,5 - 16,0
> Punkte. Die Seilschaft hielt bei diesem Wein die Herkunft aus Batrbaresco
> durchaus für möglich
>
> 9. 1999er Costa Russi, DOCG Barbaresco, Angelo Gaja, 209,00 Euro (!):
> schwärzliches Granatrot. Holzfasstöne und dunkle Beeren in Nase und
> Mund.
> Für Nebbiolo sehr milde Säuren und abgerundet. Hat weniger Charakter als
> die
> besten der Vorgänger. Es gibt einige Stimmen, die über neue Welt murmeln
> und
> alle halten den Wein für sehr mainstreamig und eher nicht aus Barbaresco
> stammend. Beim Aufdecken hätten wir die enttäuschten Ohs der
> Etikettentrinker gehört - aber in der Seilschaft gibt es keine
> Etikettentrinker, hier wird getrunken, was auf den Tisch kommt. Aber eine
> Meinung haben wir doch: Meister Gaja - heute haben wir für einen Achtel
> des
> Preises schon Besseres getrunken.
>
> Walter Mock führte in den zweiten Teil der Probe. Vom nordöstlichen Rand
> der
> Stadt Alba ging es jetzt an den südwestlichen - von Barbaresco nach
> Barolo.
> Und gereift sollten die Weine sein:
>
> 10. 1999er Vigna San Guiseppe, DOCG Barolo Riserva, Fratelli Cavallotto,
> ca.
> 34,00 Euro: Granatrot. Holz und Nelken in der Nase. Dunkle Brombeeren am
> Gaumen. Milde Säuren und viel Saft. Runder Wein, der noch etwas
> Entwicklungspotential hat. Alle, die bei den Barbarescos immer ein wenig
> die
> Mundwinkel ob der Säuren unten hatten atmen irgendwie auf und vergeben
> bis
> zu 17,0 Punkte. Der Rest bleibt bei 16,0 Punkte
>
> 11. 1998er Cannubi, DOCG Barolo, Pira & Figli (Chiara Boschis), : Sattes
> Granatrot. Menthol und Holz in der Nase. Holzvanille und Mokka am Gaumen.
> Voller, geschmeidiger Wein, dessen Frucht allerdings etwas vom Holz
> zugedeckt wird und wahrscheinlich auch nicht mehr ganz hervorkommen wird.
> Wir werten 1 Punkte unter dem Vorgänger, also 15,5 - 16,0 Punkte
>
> 12. 1990er Vignolo, DOCG Barolo Riserva, Fratelli Cavallotto, . helles
> Rubinrot. Zurückhaltendes Bukett mit Blätteraromen und Alterstönen.
> Altersüße auch am Gaumen, dabei aber noch lebendige Säuren. Eine
> gewisse
> Eleganz bei guter Fülle. Die Runde findet diesen Wein sehr gut gereift:
> 16,0 - 17,0 Punkte
>
> 13. 1990er Bricco Rocche, DOCG Barolo, Ceretto, . recht bräunliche Farbe.
> In
> der Nase Alterstöne und verwelkte Rosen. Im Mund leicht morbide Töne und
> verwelkte Rosen. Der Wein erscheint einige Jahre über den Höhepunkt
> hinaus,
> ist aber noch durchaus gut trinkbar. Die Runde wertet im jetzigen Zustand
> 14,5 - 15,0 Punkte
>
> 14. 1989er Barolo, DOCG Barolo, Pira & Figli (Chiara Boschis): recht
> bräunliches Rot. Verhaltene Nase mit Malztönen. Liebstöckel, etwas
> Sellerie
> und erdige Töne am Gaumen. Langer Nachhall. Tiefe und Eleganz stellen
> leider
> nur wenige Liebhaber dieses Weines fest, darunter die Nebbiolo-Freaks
> Oliver
> und Walter, die diesen Wein als typisch gereiften Barolo deklarieren. Dazu
> der Chronist, dessen Urteil seit dem 1983er Haut Brion auf Schloß Aul
> immer
> als zu gutmütig angesehen und der von der Seilschaft sowieso als
> Mülleimer
> für (oft nur angeblich) überalterte Weine benutzt wird. Diese wahren
> Genießer geben dem Wein 16,0 Punkte. Die Mehrheit findet den Wein derb,
> absolut überaltert und höchstens 10 - 12,0 Punkte wert. Fruchttrinker
> halt -
> Peter Züllig könnte einen Vortrag halten.
>
> 15. 1995er Barbaresco, DOCG Barbaresco, Bruno Giacosa: bräunliche Farbe.
> Kräuter und dunkle Beeren im Bukett, Beerenaromen auch am Gaumen. Der
> Wein
> ist reif, recht abgerundet und an die lebendigen Säuren und präsenten
> Tannine haben wir uns in der Vorrunde schon gewöhnt. Alle werten 15,0 -
> 15,5
> Punkte
>
> 16. 1988 Barolo, DOCG Barolo, Elio Grasso: dunkles Granatrot. Etwas
> Menthol
> in der verschlossenen Nase. Alterssüße, Malz und Mokka am Gaumen. Langer
> Nachhall, dichter, runder Wein mit voller Reife. Eine Minderheit
> bemängelt
> etwas Langeweile und empfindet den Kaffeeton als störend (15,0 Punkte).
> Die
> Mehrheit hält den Wein für rund und zückt 16,0 Punkte.
>
> 17. 1988er Bricco Boschis, DOCG Barolo Riserva, Fratelli Cavallotto:
> sattes
> Granatrot mit etwas bräunlichen Tönen. Reiches Bukett mit Kräutern und
> dunklen Beeren. Tee, Rosen, Unterholz und burgundische Art am Gaumen.
> Langer
> Abgang, elegant und viel Finesse. Der Wein polarisiert allerdings: eine
> Minderheit vergibt 15,0 - 16,0 Punkte, die Mehrheit greift hoch in die
> 17,0
> Punkte.
>
> 18. 1985er Bricco Boschis, DOCG Barolo Riserva, Fratelli Cavallotto:
> bräunliche Farbe mit etwas Depot. Alte Beeren in der Nase, dunkle Beeren
> und
> Säure am Gaumen. Ein saftiger, dichter Wein, der wieder etwas
> polarisiert:
> eine Minderhiet findet den Vorgänger einiges besser (15,5 Punkte), die
> Mehrheit wertet aber 16,5 Punkte.
>
>
> Aus dem hintersten Winkel der Katakomben zauberte der Herr derselben noch
> einen wirklich alten Giacosa, der seinen Fans mit den Weinen 8 und 15 in
> der
> bisherigen Probe unterbewertet erschien
>
> 19. 1982er Falleto de Serralunga, DOCG Barolo, Bruno Giacosa, ca. 80,00
> Euro: dichte, bräunlich rote Farbe. Reiches Bukett nach Waldpilzen. In
> den
> langen Nachhall mischen sich Sauerkirsche und Unterholz. Die festen
> Säuren
> sind bestens eingebunden. Der Wein zeigt Finesse, Eleganz und großen
> Nuancenreichtum. Waren die Vorgängerweine wohl zu jung (!) Der beste Wein
> des Abends und von allen 17,0 - 18,0 Punkte.
>
>
> Dies war ein schöner Abschluss unseres Friedensfestes, fand nicht nur der
> Chronist. Reich beschenkt zogen wir von dannen ein jeder in seine Stadt
> und
> ließ sein Vermögen schätzen, um herauszufinden, ob zum Heiligen Abend
> vielleicht doch noch der eine oder andere Nebbiolo aus dem Piemont unter
> den
> Weihnachtsbaum zu stellen wäre
>
> berichtet Wolfgang
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