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Re: Muessen Bio-Weine mehr kosten

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Betreff: Re: Muessen Bio-Weine mehr kosten?

Datum: 2007-02-12 12:04:38
Absender:  "Christian Segers"



... nun , da hab ich mich im >~SIX-PAC~< -"Preissegment"
von 38-72 Euro bewegt ( incl. "Zustellgeld" ! ). Da hast
Du sehr RECHT, wenn Du den >Irrsinn< mit dem auch nun bei
BIO-Weinen einsetztenden >Preisverfall< hier aufgreifst ,
der sich aber scheints > nur < im unterem Segment grad so
zeigt ! Und die von mir degustierten 111 Öko-Winzer geben
schon einen doch sehr repräsentablen "Schnitt" so wieder!
Oder meinst Du nicht ? Gruß Olle Weinnase , die die
sachliche Diskusse zu diesem weltweit sehr wichtigem Thema
für RICHTIG UND WICHTIG hält. Aber nicht nur zum Thema
"Geld" allein , sollte(n) hier die Frage(n) zum >BIO-Wein<
sich generieren und nicht nur so >~einseitig~< beantwortet
werden Nicht nur ich wünsch mir dazu eine breitere "Platt-
form" im W+-FORUM . Dazu seh`ich mich aber auch noch nach
ein paar fachlich versierte Diskutanten um !


-------- Original-Nachricht --------
Datum: Sun, 11 Feb 2007 11:42:00 -0100
Von: "Weingut Hörner" <forum@weingut-hoerner.de>
An: weinnase@gmx.de
CC:
Betreff: [weinforum] Re: Muessen Bio-Weine mehr kosten?

>
> Hallo Christian,
>
> da stellt sich die Frage, in welchem Preissegment die 111 Winzer
> angesiedelt waren.
> Wenn man berücksichtigt, das dreiviertel der in D-Land verkauften
> Weinflaschen für unter 2 Euro über den Tisch gehen frag ich
> Dich, wie das mit Bioanbau funktionieren soll.
> Zieh mal von den 2 Euro dann noch die Handelsspanne, die
> Distribution, Logistik, Flaschenausstattung, Flasche,
> Marketingmaßnahmen etc. ab, was darf dann das Urprodukt
> in der Herstellung noch kosten?
>
> Bei wie gesagt drei Viertel des produzierten Weines läuft
> die Kalkulation, weil Käufermarkt, genau so ab.
> Nicht der Winzer sagt was er für sein Produkt bekommt,
> sondern der Markt sagt ihm wie teuer er produzieren
> darf. 111 Winzer von wievielen Tausend, der Anteil am
> Gesamtweinmarkt ist ziemlich gering würd ich mal
> annehmen.
>
> Man darf auch nicht aus dem Auge verlieren wo
> der große Teil des Weines vertrieben wird. Der Direktverkauf
> ist relativ klein. Der Fachhandel hatte mal nen großen Anteil,
> der aber leider in den vergangenen Jahren deutlich Federn
> lies. Der Löwenanteil geht übers Regal im Discounter und
> dort läuft auch die Preisbildung über das genannte Schema.
>
>
> Christian Segers schrieb:
> > ... na !!! Dies wird wohl nicht der eigentliche
> > - "tiefere"- Grund sein ! >>>BIO-WEIN<<< boomt
> > z.Zt. mit Werttzuwächsen von 18 u.m. Prozent !!
> >
> > Die Anbauflächen wachsen und der weltweite Trend
> > zu mehr >*BIO*< (Wein ! ) hält an . Die "Billig-
> > heimer" steigen ein und... warum die Winzergenos-
> > senschaft Auggen so kurzsichtig "aufgegeben" hat,
> > steht - nicht nur für mich - so auf einem anderen
> > Blatt in der Coop- Vergangenheit !
> >
> > Das von Dir zitierte Argument sticht jedenfalls
> > m.M.n. n i c h t !
> >
> > Und nach 111 von mir "getesteten" BIO-Winzern in
> > 2005/6 steht für mich fest , daß *BIO*-Wein nicht
> > teurer sein muß und es zwangsläufig auch nicht ist .
> > Wer anderes behauptet ( i.d.R. "nachplappert" ! ),
> > redet schlichtweg >~Mist* , der besser auf dem Win-
> > gert sein sollte !
> >
> > Gruß Olle Weinnase ; stets dem "Reinen Wein" ver-
> > pflichtet
> >
> >
> > -------- Original-Nachricht --------
> > Datum: Tue, 6 Feb 2007 14:25:58 +0100
> > Von: "axel krueger" <weinkrueger@t-online.de>
> > An: weinnase@gmx.de
> > CC:
> > Betreff: [weinforum] Muessen Bio-Weine mehr kosten?
> >
> >
> >> "da der Großteil der Weintrinker nicht
> >> bereit sind für diese Mehrleistung auch den Gegenwert zu entrichten."
> >>
> >> Aus eben diesem Grunde hat die Winzergenossenschaft Auggen im
> >> Markgräflerland den Bio-Anbau gerade wieder aufgegeben.
> >>
> >> axel
> >>
> >> -----Ursprüngliche Nachricht-----
> >> Von: weinforum_owner@apris.de [mailto:weinforum_owner@apris.de]Im
> >> Auftrag von Weingut HXrner
> >> Gesendet: Dienstag, 6. Februar 2007 00:42
> >> An: weinkrueger@t-online.de
> >> Betreff: [weinforum] Re: Muessen Bio-Weine anders schmecken?
> >>
> >>
> >>
> >> Hallo Frank,
> >>
> >> ich selbst betreibe keinen Bio-Anbau, möchte also den
> >> Kollegen da nicht vorgreifen, die sich damit beschäftigen.
> >> Beim biologischen Anbau geht es besonders um den
> >> weinbaulichen Aspekt.
> >> Also Pflanzenschutz, Nährstoffversorgung als wichtige
> >> Punkte exemplarisch zu nennen.
> >> Die Pflanzenschutzmittel die eingesetzt werden dürfen
> >> beschränken sich auf eher Pflanzenstärkungsmittel,
> >> sehr wenige althergebrachte Mittelchen wie Netzschwefel
> >> und Kupfer, aber auch diese nur in sehr beschränktem
> >> Aufwand, sozusagen als Feuerwehr.
> >> Der Pflanzenschutz beschränkt sich vornehmlich auf
> >> passive Handlungen, speziell die Gestaltung der
> >> Laubwand, Laubarbeiten, für gute Durchlüftung sorgen,
> >> die Trauben freistellen um gute Besonnung und dadurch
> >> rasches Abtrocknen zu gewährleisten, ohne das diese
> >> Sonnenbrand bekommen usw. usw..
> >> Dies sind durch die Bank manuell auszuführende Tätigkeiten,
> >> also Handarbeit, bei welcher man Stunden und Tage im
> >> Weinberg verbringen kann, natürlich nicht im angenehmen
> >> Frühling, sondern im Hochsommer.
> >> Hilfswichtel kann man dabei auch nur bedingt einsetzen, weil
> >> bei den Arbeiten einfach n gewisses Feeling Voraussetzung ist.
> >> Jeder Handgriff will wohlüberlegt sein.
> >> Die Nährstoffversorgung ist auch ne kitzlige Sache, da Mineraldüng er
> >> bei Bio auch wegfallen. Es sind also teure Einsaaten mit Leguminosen
> >> über Winter nötig, die im Frühjahr dann umgebrochen werden muss
> >> und die je nach Witterung dann die Närstoffe freigibt.
> >> Komposteinbringung ist auch möglich, aber dieser muss auch aus
> >> Biologischem Anbau kommen, was diesen natürlich sehr kostenintensiv
> >> macht. Die bei der Umsetzung der Humusmasse werden neben den
> >> Nährstoffen auch diverse andere Nebenprodukte frei, die, wie die
> >> Fachliteratur andeutet für die Komplexität des späteren Weines auch
> >> eine Rolle spielen soll.
> >> Im Unterstockbereich ist auch der Herbizideinsatz klar untersagt,
> >> obgleich da schon Studien vorliegen, das dies Quatsch sei, weil keine
> >> Energieersparnis. Alternatv zu Herbizid gibts dann noch die
> >> "mechanische Beikrautlenkung" mit dem sog. Flachschar und natürlich
> >> die gute alte Hacke. Aber die mechanische Beikrautlenkung muss mehr
> >> oder weniger permanent durchgezogen werden, mit Herbizid bin ich mit
> >> zwei Einsätzen im Jahr locker sauber im Unterstockbereich.
> >>
> >> So, das waren mal 2 Kapitel aus der Bio-Bibel und diese auch nur
> >> mal an der Oberfläche angekratzt und selbst diese 2 Punkte ergeben
> >> mal locker 100 Stunden Pro Hektar an mehr Zeitaufwand, ohne die
> >> Zusatzkosten für spezielle Maschinen und Einsaaten.
> >>
> >> Haarig wirds wie gesagt in wenigeroptimalen Jahren, wenn das
> >> Wetter einfach nicht mitspielt, sodass die zeitnah abzuarbeitenden
> >> Dinge nicht optimal verrichtet werden können und der Infektions-
> >> druck durch Schadorganismen in die Höhe schnellt.
> >> Die konventionell arbeitenden Winzer haben dann oftmals
> >> noch die Möglichkeit über den Pflanzenschutz sozusagen die
> >> Notbremse reinzuziehen durch bestimmte Mittelchen, die zugegeben
> >> schweineteuer sind, aber immernoch die günstigere Alternative zum
> >> Totalverlust, der den Biowinzern in diesen Jahren droht.
> >>
> >> Der Bioweinbau wird von einem bestimmten Klientel
> >> gefordert und auch honoriert. Dieser Markt wird aber
> >> von speziellen Winzern bereits gut versorgt. Ein flächendeckender
> >> Bioanbau ist und wird es auch bleiben, Wunschdenken spezieller
> >> politischer Traumtänzer, da der Großteil der Weintrinker nicht
> >> bereit sind für diese Mehrleistung auch den Gegenwert zu entrichten.
> >> Zumal die große Masse die Unterschiede sensorisch kaum in
> >> der Lage sind die Nuancen des Bioanbaus nachzuvollziehen.
> >>
> >> Den Rest kannst Du dir denk ich schon zusammenreimen,
> >>
> >> Marko
> >>
> >>
> >> Frank Fremerey schrieb:
> >>
> >>> Hallo Weingut Hörner!
> >>>
> >>> Danke für den hochinteressanten Beitrag, der folgende Fragen
> aufwirft:
> >>>
> >>> Worin besteht genau der angesprochene Mehraufwand, wo fällt die
> >>> Mehrarbeit an?
> >>> Wieso sind die Risiken bei Jahrgangsschwankungen höher als im
> >>> konventionellen Anbau?
> >>> Was kann man Alles falsch machen, wo liegen die spezifischen Chancen
> des
> >>> Biobetriebs?
> >>> Gibt es echte Vergleiche, also Orte, wo vielleicht am gleichen Berg
> 3ha
> >>> Bio und 3ha konventionell bewirtschaftet werden, am besten vom
> gleichen
> >>> Winzer und Kellermeister und auf Rebstöcken gleichen Typs und Alters?
> >>>
> >>> Ich bin durchaus nicht "gegen Bio" eingestellt, ganz im Gegenteil,
> aber
> >>> mich interessiert der tatsächliche Nutzen:
> >>>
> >>> Macht es für den Winzer ökonomisch Sinn?
> >>> Was bringt es für die Natur (Grundwasser, Boden, Luft, Landschaft)?
> >>> Wie sind die Auswirkungen auf das Produkt?
> >>> Gibt es besonders gute oder schlechte Vorraussetzungen für
> >>>
> >> Biowirtschaft
> >>
> >>> (bestimmte Rebsorten, bestimmte Böden, bestimmte Klimabedingungen)?
> >>>
> >>> Herzliche Grüße & Prost
> >>>
> >>> Euer
> >>>
> >>> Frank Fremerey
> >>>
> >>> Weingut Hörner schrieb:
> >>>
> >>>
> >>>> Soweit ich weiß müssen die Bioweine nicht anders schmecken.
> >>>> Also es ist nicht zwingend.
> >>>> Aber sie können anders schmecken. Dies kann verschieden
> >>>> Gründe haben, sowohl im Positiven, als auch im Negativen.
> >>>> Wenn das Biokonzept richtig durchgezogen wird,
> >>>> was mit viel Arbeitsaufwand verbunden ist sind die
> >>>> Weine oftmals komplexer, vielschichtiger und einfach
> >>>> attraktiver im Gesamteindruck finde ich.
> >>>> Aber das gibts dann halt auch nicht für 2,99 EU.
> >>>> Wird das Bio falsch angepackt oder das Jahr spielt
> >>>> halt überhaupt nicht mit sind die Biotrauben eben
> >>>> deutlich mehr mitgenommen und die Weine dann
> >>>> dementsprechend eher nicht so toll, weil die
> >>>> konventionell wirtschaftenden Winzer da dann
> >>>> einfach mehr Möglichkeiten haben.
> >>>>
> >>>> Ich habe auch schon von Kollegen berichtet bekommen,
> >>>> die Bio einführten und wieder aufgaben, weil der
> >>>> Mehraufwand am Markt einfach nicht zu realisieren war
> >>>> und mit Normalaufwand einfach nicht die Weinqualität
> >>>> erreichten, die heute gefordert wird.
> >>>>
> >>>>
> >>> --
> >>> Frank Fremerey
> >>> Fotokunst und Text
> >>> Bornheimer Str. 33a
> >>> 53111 Bonn, Germany
> >>>
> >>> web: wurst-macht-schoen.de
> >>> mail: frank@fremerey.net
> >>> voicemail: +49-228-217730
> >>> mobile: +49-228-2996066
> >>>
> >>> --
> >>>
> >
> > --
> > EURE W E I N N A S E
> >
> >> on the road again <
> >>
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