Re: Neue Technologien im Weinausbau
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Betreff: Re: Neue Technologien im Weinausbau
Datum: 2004-03-06 01:26:25Absender: Thomas Deck
On 05 Mar 2004 15:12 GMT, hup.ellwardt@t-online.de (Heide und
Peter-Chr. Ellwardt) wrote:
>Ob eine Probe sinvoll oder unsinnig ist, hängt in erster Linie von der Fragestellung ab, die einer Probe zugrunde liegt.
>
>In meiner Probe möchte ich den Teilnehmern (übrigens alles keine Profis, sondern interessierte Laien, die auch etwas über die Weinerzeugung erfahren wollen) die verschiedenen Verfahren der Mostkonzentration vorstellen. Dazu gehört selbstverständlich auch das Saignée-Verfahren, das Trocknen der Trauben und natürlich auch der Eiswein.
Ich möchte nur vermeiden, dass ihr euch Illusionen über den
Erkenntnisgewinn macht. Natürlich könnte ihr hinterher sagen, ihr habt
irgendwie konzentrierte Weine getrunken. Das machen Zigtausende
Weintrinmker weltweit. Es wird euch aber nicht gelingen, die
MK-spezifischen Dinge rauszuschmecken. Das geht nur bei Weinen, die
genau für so eine Probe hergestellt wurden.
>Natürlich hätte ich am liebsten Weine aus gleichem Traubenmateriel, die mit verschiedenen Verfahren konzentriert wurden, damit man selbst erfahren kann, was diese Technologien bringen.
>Warum soll eine solche Erkenntnis nur Euch Profis vorbehalten bleiben?
Erstens bin ich kein Profi, zweitens haben "die Profis" im Allgemeinen
zu solchen Mustern auch keinen Zugang. Solche Untersuchungen werden
von Hochschulen oder Forschungsanstalten durchgeführt, da kommen nur
Leute ran mit entsprechenden Kontakten. Übrigens auch der eine oder
andere Amateur, wenn er die richtigen Leute kennt und/oder zur
richtigen Zeit am richtigen Ort ist. Der Unterschied zwischen Saignée
und MK - bei ansonsten gleichem Traubenmaterial und Vinifikation -
würde mich natürlich auch interessieren.
>Ich hatte gehofft, von diesen Profis Unterstützung erhofft, erklären doch einige von Ihnen im Forum "talk-about-wine", dass sie solche Weine probiert haben. Warum diese Mauer des Schweigens? Oder habe ich mich nur im falschen Forum angemeldet?
>Was bezwecken so viele Winzer mit ihrer Geheimniskrämerei? Erzeugen sie damit doch nur Misstrauen!
Ein paar Namen nur MK hast du ja inzwischen genannt bekommen. In D
weiß ich es nur von Johner sicher. Lass dir 12 Flaschen schicken
(mind. 2 pro Sorte), die Weine sind auch so sehr gut. M.W. sind *alle*
Weine von Johner mostkonzentriert.
Warum Johner-Weine anders als z.B. Bercher-Weine schmecken, versuche
ich gerade zu ergründen. Es gibt mindestens 10 Punkte, in denen sich
die Herstellung der Weine (angefangen vom Weinberg) voneinander
unterscheiden. Pflanzdichte, Laubarbeit, Anschnitt, Bodenbearbeitung,
Düngung, Bodenart, Mikroklima, Klone, Rebalter, Wasserversorgung,
Erntezeitpunkt, Anteil der Stiele beim Vergären, Maischestandzeit,
Chaptalisierung, Gärdauer, Gärtemperatur, Gärbehälter, Fassausbau, Art
der Barriques (Holzart, Toastung, wievielte Belegung) und viele
weitere Details der Kellerarbeit, die ich nicht alle parat habe. Da
geht die MK sowas von unter. Im Moment vermute ich übrigens, dass der
Erntezeitpunkt einen ganz wesentlichen Einfluss auf das Endprodukt
hat.
>Woher wissen Sie, dass die verschiedenen Konzentrationsverfahren den Wein geschmacklich nicht verschieden beeinflussen?
Natürlich werden die Weine verschieden beeinflusst. Diese
Verschiedenartigkeit ist aber sensorisch nicht abgrenzbar von den
anderen Zig Einflüssen (s.o.). Man müsste die Unterschiede genau auf
MK bzw. Saignée (z.B.) reduzieren.
>Bevor ich aber die Astrologie oder mir die Karten lege, werde ich auf anderen Wegen mein Glück versuchen. All denen, die mir persönlich Tipps übermittelt haben, möchte ich danken
Versuche, zu den Weinen so viel möglich von den anderen o.g. Punkten
in Erfahrung zu bingen. Vielleicht bekommst du von anderen
Forumsteilnehmern noch weitere Tipps, auf was man besonders achten
sollte. Alkohol, Restsüße, Säure, Erntezeitpunkt, Rebalter, Art des
Fassausbaus, fallen mir auf die Schnelle ein.
Thomas Deck