Re: ProWein 2004: Badische Rotweine (u.a.) -2-
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Betreff: Re: ProWein 2004: Badische Rotweine (u.a.) -2-
Datum: 2004-03-08 22:57:56Absender: Thomas Deck
Es folgt Teil 2.
Weingut Michel, Achkarren
Der stand auf meiner Liste, weil ich den Namen schon tausend Mal als
"wichtigen" Kaiserstuhlwinzer wahrgenommen hatte und ich endlich mal
einen Achkarrer Winzer kennen lernen wollte.
Auch die Michels haben ihre Spätburgunderliste übersichtlich
aufgebaut:
1. Munzingen Kapellenberg, 5,50 Euro
2. Achkarren Schlossberg, 8 Euro
3a. Achkarren Schlossberg (Barrique), 15 Euro
3b. Ihringen Winklerberg (Barrique), 15 Euro
Der Kapellenberg ist die südlichste Lage des Tunibergs, der
unmittelbar südlich an den Kaiserstuhl anschließt, aber nicht
vulkanischen Ursprungs ist. Der Großvater stammt aus Munzingen, daher
der Weinbergsbesitz am Tuniberg.
Der Achkarrer Schlossberg ist ja fast eine Kopie des Ihringer
Winklerbergs, wobei es heißt, dass ersterer kräftiger, letzterer
eleganter sei. Da wäre eine Vergleichsverkostung angebracht, die aber
leider nicht möglich war. Ich konnte aber den "einfachen" (gebrauchte
Barriques) mit dem Barrique-Schlossberg vergleichen. Der war in der
Tat dichter, wirkte leicht süßlich und hatte kaum Holz; 88 Punkte. Der
normale Schlossberg mit seiner schönen Frucht lag aber nur 2 Punkte
darunter und sollte auf alle Fälle gekauft werden.
Apropos Achkarren: Hier wurde beim 71er Weingesetz wenigstens so
einigermaßen sinnvoll gehandelt: Die Vulkanverwitterungslagen wurden
dem Schlossberg, die Löss/Lehmlagen dem Castellberg zugeschlagen.
Ein weiterer Schwerpunkt der Michels sind die Weiß- und Grauburgunder,
an der Spitze natürlich die Spätlesen vom Schlossberg. Vom Castellberg
gibt's maximal Kabinett. Ich habe keine Weißweine probiert, erwähne
das aber, weil ich aber jedem ans Herz legen möchte, bei einem
eventuellen Besuch zwei gleichartige Weine vom Castell- und vom
Schlossberg miteinander zu vergleichen (z.B. Grauburgunder Kabinett).
Das bringt mehr Verständnis über Boden und Terroir als jede
theoretische Abhandlung.
Ziereisen, Efringen-Kirchen
Markgräflerland, fast schon Schweiz. Ziereisen zählt für mich
mittlerweile zu den besten badischen Spätburgunder-Winzern. Ein
Terroir-Fan, der stundenlang über seine Böden erzählen könnte, von der
Entstehung des Oberrheingrabens bis zum heutigen Tag. Ich mach's hier
etwas kürzer, bei seinen Böden handelt es sich um Gemische von
unterschiedlichen Anteilen Lehm und Kalk, teilweise auch mit Eisenerz.
Die Lössauflage schwankt zwischen 50 cm und 7 m. Die Hangneigung
schwankt zwischen flach und sehr steil. Das deutsche Weingesetz nennt
das nun alles "Ölberg". Ziereisen unterscheidet daher seine Weine
mittels der alten Gewannnamen "Schulen", "Tschuppen" und "Rhini". So
etwas ist in Deutschland natürlich nicht erlaubt, wo kämen wir da hin,
wenn Spitzenwinzer ihre Produkte entsprechend kennzeichnen und
vermarkten dürften. Ziereisen setzt die Begriffe daher in
Anführungszeichen, und ob da nun "Regnum", "Mimus", "R", "SJ" oder
eben "Rhini" steht, scheint egal zu sein. Es gibt 4 Weine:
1. QbA (unter 10 Euro)
2. Tschuppen (10-11 Euro)
3. Schulen (14-15 Euro)
4. Rhini (22-23 Euro)
Zu probieren gab's die 02er:
Den QbA (Scheuermanns Liebling vom vergangenen Sommer) sah ich bei 85
Punkten (angenehme Frucht, passende Säure), den Tschuppen bei 87 (viel
runder als der 01er). Noch mal ein Qualitätssprung beim Schulen,
kräftig, rund, "erwachsen", ohne Holz, das gibt glatte 90 Punkte. Den
Rhini (Fassprobe) sehe ich derzeit einen Punkt darunter, er ist
mächtiger und länger, aber (noch) nicht so ausgewogen.
Nebenbei gab's auch die 97er Spätlese, damals noch ohne
Lagenbezeichnung, heute wäre es ein Tschuppen. Ziereisen
geringschätzig: "Damals wussten wir noch nicht, was wir tun." Das
dachte ich zuerst auch, der Wein war zwar dunkel, wirkte aber
ausdruckslos, obwohl die Flasche schon am Vortag geöffnet wurde und
immer noch mehr als halb voll war. Aber der Wein entwickelte sich im
Glas immer besser, während Ziereisen auf einem Blatt Papier die Lage
seiner Weinberge in drei verschiedenen Ansichten skizzierte. Am Ende
90 Punkte, unglaublich.
Ich muss da dieses Jahr noch hinfahren und diese Lagen durchwandern.
Das sollte jeder tun.
Ende Teil 2
Thomas Deck