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Re: Riesling auf Buntsandstein

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Betreff: Re: Riesling auf Buntsandstein

Datum: 2005-11-01 11:33:49
Absender:  Werner Elflein



Hallo Stephan!

Weil du mich indirekt angesprochen hast (siehe unten!), mische ich mich
kurz in die Diskussion ein.

> 1. Ich bin durchaus der Meinung, dass Rieslinge von
> Buntsandsteinlagen bzw. von Lagen mit Anteilen von Buntsandstein eine
> spezielle Ausprägung besitzen und sich sensorisch mitunter deutlich
> von Rieslingen aus Lagen mit anderen Böden unterscheiden. Ich fände
> es sehr spannend, einmal eine Verkostung von Rieslingen aus dem
> Trierer Augenscheiner, dem Oberweseler Ölsberg, dem Kauber Roßstein,
> dem Homburger Kallmuth, dem Bürgstadter Centgrafenberg, dem
> Klostergut Fremersberg Feigenwäldchen, ..... zu veranstalten.
> Vielleicht entspringt es ja nur meiner Einbildung, aber ich glaube,
> dass der Buntsandstein ebenso wahrzunehmen ist wie der Schiefer
> anderer Lagen.

Nein, das ist keine Einbildung. Mit ein wenig Übung kann man
verschiedene Böden durchaus sensorisch unterscheiden. Dies gilt nicht
nur für Buntsandstein und Schiefer, sondern auch für Muschelkalk, Granit
und jede andere Bodenart. Vergangenes Jahr gab es in Würzburg auf dem
"Großen Treffen" ein Seminar von Koal zu diesem Thema.

> 2. Rieslinge aus diesen Lagen erzielen, wenn sie denn überhaupt
> bewertet werden, eher geringere Noten. Ausnahmen (etwa die
> Buntsandsteinrieslinge des pfälzer Weinguts Dr. Wehrheim) bestätigen
> auch hier die Regel.

Das ist für mich schwer nachzuvollziehen. Nun gibt es zahlenmäßig sicher
viel mehr Rieslinge, die auf Schiefer gewachsen sind, als solche von
Buntstandstein. Dies hängt auch einfach damit zusammen, dass der
Buntsandstein in den deutschen Weinbaugebieten nicht an jeder Ecke
auftritt, und insbesondere in Franken und der Pfalz häufig auch andere
Rebsorten auf diesen Böden stehen. Nach einem (sehr guten) Riesling vom
Buntsandstein musst du also zwangsläufig länger suchen.

> Nun bin ich kein professioneller Weinkritiker sondern nur
> Rieslingliebhaber, dem die Rieslinge aus den Buntsandsteinlagen
> besonders gefallen. Und ich wundere mich darüber, das eben diese
> Rieslinge, die mir ans Herz gewachsen sind, in der Weinkritik
> tendenziell schlechter wegkommen, in meinen Augen (ganz subjektiv!)
> eben pointiert gesagt "permanent unterbewertet" werden. Und zu dieser
> niedrigeren Bewertung passt wie die Faust aufs Auge auch jener Satz:
> "Während die Lagen an der Saar und in Piesport mit Riesling bestockt
> sind, wurden auf den Buntsandsteinböden des Trierer Augenscheiners
> vorwiegend die besser zu dem eigenwilligen Terroir passenden
> Burgundersorten gepflanzt."
> (Wer auch immer diesen Satz formuliert hat, mir scheint, dass der
> Begriff "Terroir" in Verbindung mit "eigenwillig" hier eben auf den
> Buntsandstein abzielt und nicht auf das Kleinklima oder gar den
> Winzer.)

Diesen Satz habe ich formuliert, und man sollte ihn eigentlich so lesen,
wie er dasteht. Unter "Terroir" subsummiert man ja eben nicht nur den
Boden, sondern auch das individuelle Kleinklima. Und wenn da "Terroir"
steht, ist auch "Terroir" gemeint, und nicht (nur) der Boden.

Was nützt dir der schönste Buntsandsteinboden, wenn der Riesling
aufgrund der klimatischen Situation dort nicht reif wird oder durch eine
schwächere Wasserversorgung und Trockenstress verstärkt zur Stiellähm e
(Burgundersorten sind hier unempfindlicher) neigt? So trivial, dass man
es nur an den Böden festmachen könnte, ist die Standortfrage für
Rebsorten keinesfalls. Das Thema ist hochkomplex.

> Werden diese Weine nicht verstanden, entsprechen sie nicht den
> Erwartungen an einen Riesling, oder werden sie ausschließlich von
> Winzern erzeugt, die meist nur mittelprächtige bzw. stark schwankende
> Ergebnisse erzielen können, oder ist eine Buntsandsteinlage von ihrem
> Boden her ein für den Riesling und seinen Winzer per se eher
> schwieriges Terrain?

Ich glaube nicht, dass es so etwas wie eine Benachteiligung von
Buntsandstein-Rieslingen gibt. Selbst habe ich vor kurzem beispielsweise
den 2004er Riesling "Buntsandstein" von Schneider in Ellerstadt bei
15/20, dessen Pendant "Kalkmergel" aber nur bei 14/20 gesehen.
Hoffentlich kriege ich jetzt nicht