Re: Riesling im Barrique .... wieso
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Betreff: Re: Riesling im Barrique .... wieso
Datum: 2009-11-11 20:55:56Absender: "Wolfgang Martin"
Sehr geehrter Herr Jessen,
ich bin kein Weintechniker, meine aber trotzdem zu wissen, dass man die
letzten 50 Jahre neue Fuderfässer "weingrün" machte, damit sie gerade keinen
Loheton abgeben.
Ich trinke jetzt seit 20 Jahren Riesling und falls wir 20 Jahre als
Tradition gelten lassen, sind Barrique- oder sonst mit Aromen vom Holz
versetzte Weine keine Tradition.
Vielfalt, Vielfalt, Vielfalt heißt nicht Beliebigkeit. Wobei ich für das
eine kleine Faß Barrique-Riesling pro Winzer und Jahrgang plädiert habe -
aber das ist für mich nicht das, was Riesling ausmacht
Gruß Wolfgang
----- Original Message -----
From: "Christian Jessen" <christian.jessen@alice-dsl.net>
To: <nc-martinwo@netcologne.de>
Sent: Tuesday, November 10, 2009 5:33 PM
Subject: [weinforum] Riesling im Barrique .... wieso eigentlich nicht ?!?!
>
> Liebe Forumianer !
>
> Ich erhalte jetzt schon die 5te oder 6te email über dieses Thema und
> langsam aber sicher wird mir schlecht !!! Als Techniker im Weinbau
> möchte, nein - muß ich einfach etwas klarstellen :
>
> 1) Das Barrique welches einen Loheton abgibt, tut dies eigentlich nur
> in den ersten 1 - 4 Jahren, je nach Weintyp und Verwendung. Diese Art
> der Verwendung stellt eine Art der Anreicherung von Tanninen dar,
> welche dazu beiträgt den Wein haltbar ( oder "länger" haltbar ) zu
> machen. Vor 300 Jahren hatte man noch nicht die Möglichkeit mit
> Schwefel umzugehen, wie das heute der Fall ist. Und Tannin ist neben
> Säure, Süße und Alkohol ein Möglichkeit die Oxidation sprich Reife
> etwas aufzuhalten ...
>
> 2) Dabei erfüllt es zwei Funktionen : a) Es werden bis zu 600 Aromen
> dem Wein zugefügt und b) über die sogenannte Mikro-Oxygenierung wird
> beim Rotwein die Farbe besser stabilisiert - bei Rot - sowie
> Weißweinen auf jedenfall die eben erwähnte innere Stabilität
> verbessert !! Es ist gar nicht so lange her, da war der Vanille-Ton
> sehr modern - mittlerweile und vielleicht dank der ABC-Welle sieht man
> das etwas diferenzierter. Darüber hinaus wird hier gerne übersehen,
> dass auch ein junges Fass der Kategorie "Stück", "Fuder", etc ...
> auch Holztöne abgibt. Und ich kenne Winzer, welche einen solchen,
> wenn auch verminderten "Holzton" nach Jahrzehnten in ihren alten
> Fässern warnehmen können. Dann wird auch - und ich führe hier
> Beispiele von gelungenen Rieslingen der Knipsers aus den 90ern, sowie
> einige Jahrgänge vorzüglich in frischen Halbstück-Fässern
> gemachter Silvaner vom Weingut Wagner-Stempel an - gerne mit dem
> "Vanille-Ton" aus dem "Barrique" im Verschnitt gespielt. Nicht Holzton
> statt - , Holzton und Primär-Frucht können faszinierende
> Verbindungen eingehen .... Der Geniesser muß hierfür offen sein !!!
> Wie aber so immer gilt nach wie vor: Alles was im Extrem betrieben
> wird schadet dem Gesamt-Eindruck .... der Harmonie !
>
> 3) Appropos Harmonie : Wie "Harmonie", "mineralisch", und natürlich
> "Frucht" gibt es Begriffe in der Weinbeschreibung, die sehr
> heuristisch, bestimmt aber sehr ambivalent zu interpretieren sind. Was
> ist denn das -
> Frucht ? Sind es ( wie im Beispiel Riesling ) solche Primär-Aromen,
> wie Pfirsich, Ananas, Birne, Apfel oder Johannisbeere ?? Oder ist es
> mehr ??
> Ich bin überzeugt, dass viele der Kommentierenden nur diese Form der
> Frucht kennen .... weit gefehlt.
>
> 4) Als Letztes und um die angeführten Argumente als das zu
> enttarnen, was sie letzten Endes sind - Einseitige, auf wenig
> Erfahrung basierende, Betrachtungsweisen - sei darauf hingewiesen, das
> die jetzige Generation der deutschen Weintrinker ( -geniesser ) immer
> noch in Mehrzahl nicht begreift, dass Wein auch und gerade als
> Speisebegleiter in der Welt verstanden wird. Von dieser Perspektive
> her gesehen stellt sich ein mit mehr oder weniger deutlichem Holzton
> ausgebauter Wein - auch der Riesling - ganz anders dar. Es wurde schon
> erwähnt, dass diese Weine nach, teilweise beträchlicher Lagerzeit
> auf einmal wahre Entdeckungen sind. Ich lade jeden, der hierzu offen
> genug ist, ein die Probe auf