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Re: VKN vom 13.2.2010: 1961er Petrus und

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Betreff: Re: VKN vom 13.2.2010: 1961er Petrus und

Datum: 2010-02-16 14:15:41
Absender:  "Norbert.Pobbig@t-online.de"





Hallo Namensvetter,

eine sehr interessante Probe mit aufwendigen und gut lesbaren Notizen.
Danke.

Ich finde es absolut nicht dekadent, solche Proben zu veranstalten und
darüber zu berichten. Nur als es im Forum um die Lieblingsweine 2009
ging, war mir das Schaulaufen der Eitelkeiten doch zu viel, um mich in
die Diskussion einzumischen.

Mit besten Grüßen aus Berlin

Norbert Pobbig

Medienbüro Norbert Pobbig, Verlag
Der Berliner Weinführer
Gounodstraße 49, 13088 Berlin
www.berliner-weinfuehrer.de

-----Original Message-----
> Date: Tue, 16 Feb 2010 10:44:32 +0100
> Subject: [weinforum] VKN vom 13.2.2010: 1961er Petrus und mehr
> From: "Norbert" <norbert.kreutzer@web.de>
> To: norbert.pobbig@t-online.de

>
> Hallo Weinforum,
>
> am 13.2.2010 haben sich acht Weinfreunde in Oberhausen getroffen um
> einige gemeinsam finanzierte Weinschätze zu öffnen. Es war zu
> hoffen, dass sich für einzelne Teilnehmer die weite Anreise aus der
> Schweiz lohnte. Wie auch beim letzten Mal waren die äußeren
> Witterungsbedingungen für einen pünktlichen Beginn extrem
> erschwerend.
> So begann die Veranstaltung mit nahezu zweistündiger Verspätung und
> dauerte dann bis zum frühen Morgen an. So ist es nun einmal, wenn man
> die einzelnen Weinen sehr viel individuelle Aufmerksamkeit widmen will
> und jeder, der einen einzelne Speisenfolge vorbereitet, gemeinsam mit
> allen anderen anstoßen will.
>
> Nachfolgend für Interessierte meine Verkostungsnotiz vom 13.2.2010,
> die, wie so häufig, in Einzelfällen recht deutlich von der Wertung
> anderer Teilnehmer abweicht. Aber jeder hat die Chance seine
> Wahrnehmung alternativ zu kommunizieren.
>
> Ich muss diesmal die Anonymität der Teilnehmer wahren, da es in der
> Vergangenheit aufgrund der Konzentration auf hochwertige alte Bordeaux
> und Burgunder Kommentare wie "dekadent" oder "überkandidelt"
> gegeben haben soll.
> Für mich nicht wirklich nachvollziehbar. Warum sollte man sich nach
> jahrzehntelanger gelebter Leidenschaft für den Wein nicht mal den
> Wunsch erfüllen, Weine zu probieren, über die andere Bücher
> schreiben und einzelne Weine mit 100 Punkten bewerten. Man macht das
> ja nicht jeden Tag. Und über die Gemeinschaftsfinanzierung wird das
> Ganze zumindest übersichtlich. Für den interessierten Teilnehmer
> stellt sich vielleicht die Frage, ob er, soweit erforderlich, auf
> etwas Anderes zu verzichten bereit ist. Diskutieren kann man sicher,
> ob man das Erlebnis bei Weinplus oder in einem Blog kommunizieren muss
> oder ob man den Event still und heimlich genießt. Das muss aber jeder
> letztlich selbst entscheiden. Ich persönlich greife jedoch immer
> wieder gern auf das Archiv bei Weinplus zurück und finde meine
> Gedanken über jahrelang zurückliegende Proben wieder.
>
> Nun zu den Weinen die jeweils Einzeln und nicht als Flight
> präsentiert wurden.
> Die Reihenfolge wurde zum Teil durch Faktoren wie Füllstand oder die
> vermeintlich aufsteigende Reihenfolge bestimmt. Die 1961 sollten am
> Ende in zusammenhängender Reihenfolge präsentiert werden. Die
> meisten Weine hatten einen Top-Füllstand, mindestens very top
> shoulder, häufig bottle neck oder into. Ausnahmen sind gesondert
> beschrieben
>
> 1.
> 2000 Domaine de Montcalmès - Coteaux du Languedoc
>
> Purpurrote Farbe, in der Nase finde ich eine weit geöffnete Frucht,
> Süßkirsche, Kräuter, etwas Holz, verführerisch, im Mund von
> leichtem bis mittleren Körper, saftige, sehr schön geöffnete
> Frucht, Süßkirsche, ei Hauch Mon-Cherie, feine Fruchtsüße, ein
> durchaus nachhaltiger Wein von mittlerer Länge, für meinen Geschmack
> auf dem Höhepunkt, anfangs hatte ich ihn bereits über dem Höhepunkt
> gesehen, aber da brauchte er einfach mehr Luft, mehr Zeit, sehr schön,
> 88 NK Punkte
>
> 2.
> 1953 Chateau Leoville Poyferre - Saint Julien
> Mid shoulder
>
> Ziegelrote Farbe mit braunem Rand, in der Nase überreif, fragil,
> Waldboden, Pilze,
> im M und von leichtem bis mittleren Körper, die Frucht wirkt bereits
> etwas gezehrt, morbide, die Säure tritt sehr stark in den
> Vordergrund, Hauptproblem ist aber ein leichter Stich, ein Teilnehmer
> spricht von einem Acetat-Ton, vermutlich ein Korkproblem, darauf
> deutet ja auch der vergleichsweise schlechte Füllstand hin, knapper,
> säurebetonter Abgang, ich ahnte die Enttäuschung und habe ihn an den
> Anfang gesetzt, 79 NK Punkte
>
> 3.
> 1950 Chateau Troplong-Mondot - Saint Emilion
>
> Rubinrote Farbe mit leicht braunem Rand, in der Nase finde ich eine
> wunderschöne, fein gereifte Frucht, sehr sauber mit Anklängen an
> Erdbeere, aber auch die typischen Pilznoten, im Wein von leichtem
> Körper, die fragile Frucht gewinnt durch eine fein gezeichnete
> Fruchtsüße, auch hier Pilze und Kräuter, die Tannine erscheinen mir
> überraschend präsent, nach hinten vielleicht etwas austrocknend,
> dennoch ist dieser Wein für mich eine der positivsten
> Überraschungen, nicht groß, aber eben völlig unerwartet, passable
> Länge, behalte ich gerne in Erinnerung, 84 NK Punkte,
> bemerkenswert war auch dass der Weinrest in der Flasche auch nach 2
> Tagen noch keinen Luftton aufwies
>
> 4.
> 1948 Chateau Cantenac Brown - Margaux
>
> Rubinrote Farbe mit leicht braunem Rand, in der Nase finde ich eine
> herrlich ausgewogene, wunderschön gereifte Frucht von Kräutern, etwas
> Holz, nicht besonders tief aber von ausgesprochener Eleganz, im Wein
> von leichtem bis mittleren Körper, die feingliedrige, elegante Frucht
> deutet noch auf die weitgehend abgeschmolzenen Tannine hin, hinten
> kommt die Säure durch, ebenfalls eine positive Überraschung, passable
> Länge, auch dieser Wein überrascht nach 2 Tagen in der Flasche
> ausgesprochen positiv, immer noch mit großem Genuss
> getrunken, 85 NK Punkte
>
> 5.
> 1959 Chateau Duhart-Milon - Pauillac
>
> Rubinrote, tiefe Farbe, kaum ein Wasserrand zu erkennen, die Nase
> führt zu einer intensiven Diskussion über TCA, wurde dann aber doch
> verneint, nach meinem Empfinden eine etwas einfach gestrickte Frucht,
> Waldboden, Bitterschokolade, vielleicht etwas spröde, im Wein von
> leichtem Körper, reife, sehr fragile Frucht mit deutlichen
> Säurespitzen, hat den Höhepunkt überschritten, wirkt auf mich
> mager, freudlos, knapper Abgang, 83 NK Punkte, nach 2 Tagen belebt
> Wera die TCA-Diskussion erneut, der TCA-Ton käme jetzt deutlicher zum
> Vorschein
>
> 6.
> 1959 Chateau Montrose Saint Estephe
>
> Rubinrote Farbe mit braunem Rand, hochintensive, reife, kräuterige
> Nase, Gewürze, Lakritz, leicht stallig, im Wein von mittlerem
> Körper, saftige, intensive Frucht, reife, aber durchaus präsente
> Tannin-Struktur, gute Länge, da so gut wie nichts in der Flasche übri g
> geblieben ist, scheint der Wein auch den Mitprobierenden
> gefallen zu haben, erstaunlich, wie viele Leute gerne auf dem Depot
> rumkauen, 89 NK Punkte
>
> 7.
> 1966 Chateau Calon Segur - Saint Estephe
>
> Rubinrote Farbe mit braunem Rand, in der Nase reife, leicht staubig,
> nahezu kalkig wirkende Frucht, im Wein von leichtem bis mittleren
> Körper, ausgesprochen elegant gereifte Frucht, Kräuter, Holz,
> präsente aber mürbe Tannine, mir erscheint die Säure eine Spur zu
> spitz, er könnte vielleicht etwas mehr Charme vertragen, verfügt üb er
> eine ordentliche Länge, alles in allem aber ein ausgesprochen schöner
> 1966er, 87 NK Punkte
>
> 8.
> 1961 Chateau Pavie - Saint Emilion
> Top shoulder
>
> Tiefes, dunkles Rot mit deutlich braunem Rand in der Farbe, in der
> Nase leider deutlich oxidative, Bratensaft, im Wein von mittlerem
> Körper, aber auch hier dominieren vorwiegend oxidative Noten,
> Liebstöckel kommt durch, schade, das alles bei guter Länge, hier macht
> sich der nicht besonders überzeugende Füllstand deutlich
> bemerkbar, vor einigen Wochen hatten wir eine andere Flasche des 61er
> Pavie’s aus anderer Quelle, die alle Qualitäten eines 61ers
> aufwies, die am 13.2. aufgezogene Flasche kam aus der Schweiz, leider
> nur 78 NK Punkte
>
> 9.
> 1961 Chateau La Lagune - Haut Medoc
>
> Ziegelrote Farbe mit braunem Rand, feinreife, kräuterige Nase die auch
> einen Hauch von Waldbeeren zeigt, im Wein von leichtem bis mittleren
> Körper, ein feingliedriger, wunderschön gereifter,
> eleganter Rotwein, durch und durch harmonisch, von der Struktur eher
> fein gezeichnet mit feiner Süße und perfekt eingebundener Säure,
> schöne Länge, 90 NK Punkte, dieser Wein zeigte, warum ich die 61er Bdx
> so liebe
>
> 10.
> 1961 Chateau Lynch-Bages - Pauillac
>
> Tiefrote Farbe, kaum aufhellender Rand, in der Nase dunkel, kaum
> geöffnet, Schokolade, Holz, im Wein von mittlerem Körper, ein
> saftiger, fruchtintensiver Wein mit kräftiger Tannin-Struktur, die
> Säure präsentiert sich auch recht deutlich, insgesamt traut man diesem
> Wein aber noch Entwicklungszeit zu, gute Länge, 91 NK Punkte
> 11.
> 1961 Chateau Petrus - Pomerol
>
> Tja, und da war er nun endlich, der Wein, den man unbedingt
> "einmal" trinken wollte,
> es gab eine ganze Reihe von Widerständen, die zu überwinden waren, der
> Preis, der Vorwurf, jetzt sind sie völlig abgehoben, ich sag mir dann
> immer: Machst Du halt mal wieder Urlaub in einer deutschen Weingegend
> und schon hast du den Anteil für 2 Personen raus, ich erinnere mich
> heute noch an eine Magnum des 1961er Palmer, an einen 61er Hermitage,
> an den 49er Lafleur, an viele (teure) Urlaube erinnere ich mich kaum
> noch.
>
> Der Wein war von kräftiger, rubinroter Farbe ohne jeden aufhellenden
> Rand, die Nase war tief und ausgesprochen kräuterwürzig, komplex und
> unglaublich frisch, im Mund finde ich einen vollmundig-saftigen
> Körper, sehr präsent, seidige Tannine, tiefe Struktur, Schmelz, Minze,
> Kirschkonfit, Mineralik, es ist alles da was Freude macht, lang, für
> mich ein Weinmonument, 99 NK Punkte und noch nicht am Ende, na ja,
> vielleicht gibt es aus der anonymen Runde doch noch
> Widerspruch? 
>
> -------
>
> Etwas untergegangen (von mir nicht mehr individuell bewertet) sind die
> reinen Essensbegleiter. Ein aus meiner Sicht sehr schöner 2001er Roc
> D’Anglade aus dem Coteaux du Languedoc, ein 2008er Sauvignon
> Blanc Flamberg von Lackner-Tinnacher aus der Steiermark, ein 2003
> Chateau La Tour Blanche aus dem Sauternes, ein 1995er Eitelsbacher
> Karthäuserhofberg Riesling Eiswein Fass No. 33 vom Weingut
> Karthäuserhof und eine 2007er Scheurebe Trockenbeerenauslese vom
> Weingut Benderhof aus Kallstadt. Die letzten Weine gereicht zu einer
> immer wieder köstlichen Schokotarte, die Sabine auf meinen
> persönlichen Wunsch hin vorbereitet hat.
>
> Fazit: Ich habe diese nicht ganz preiswerte Probe nicht bereut. Für
> mich macht es mehr Sinn, sich gereifte Schätze aus Bdx oder Burgund zu
> vergleichsweise moderaten Preisen zu kaufen als völlig
> überteuerte, junge Premier Cru Classes, deren idealen Trinkzustand ich
> vielleicht nicht mehr erleben werde. Auch wenn viele Bdx oder
> Burgunder heute auf frühere Trinkbarkeit produziert werden. Ist das
> ein Qualitätskriterium?
>
> Gruß aus Oberhausen
> Norbert
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>
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