Re: Von Holz und trocknendem Ende
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Betreff: Re: Von Holz und trocknendem Ende
Datum: 2008-02-08 16:11:03Absender: "Olivier Schnurr"
Leute,
sicherlich ist es richtig, aber halt auch weiss Gott bekannt, dass
seit 10 oder 15 Jahren der Neuholzeinsatz in den Appellationen Cahors
und Madiran ueber die Straenge geschlagen hat. Anfangs geschah das
aber aus der wahrgenommenen oenologischen Notwendigkeit, im Verbund
mit der Mikrooxigenierung den Tanninen etwas die Kanten zu nehmen.
Alles schon und gut.
Jedoch: Einem echten, authentischen Cahors oder einem echten,
authentischen Madiran den Vorwurf zu machen, er habe "zu kraeftige"
Tannine, ist sogar noch unter dem Niveau zu jammern, Riesling habe
eine "zu hohe Saeure". Das ist schon arg... ha, dann trinkt halt
Rulaender in Dreigottsnamen, oder Mueller-Thurgau.
Ich weiss nicht, wann und vor allem *warum* Leute angefangen haben,
von einem Cahors oder einem Madiran zu verlangen, wie ein Medoc reifen
und weich werden zu koennen. Das ist ziemlich naiv (mindestens) und
spekuliert ausserdem auf extrem moderne Kellertechniken (s.o.), mithin
also genau auf das Gegenteil des authentischen Weins, fuer den *diese*
Cahors und Madirans dann gehalten werden. Das hat mit Parker nichts zu
tun (aber ohne seinen Namen zu nennen, kann man wohl keinen Punkt mehr
machen) und kann in aehnlicher Art und Weise im Piemont beobachtet
werden. Oder in der Rioja.
Wer weiche, und zwar authentisch-generisch-terroirtypisch weiche
Malbecs und Tannats haben will, geht nach Argentinien, Australien und
Uruguay. Alles andere ist am Thema vorbeigeschimpft. Und fuer ganz
Akute: Es hat einen Grund, warum Malbec im sicherlich nicht kuehleren
Bordelais so gut wie nicht mehr vorkommt. (Und auch da *niemals*
weiche Weine gebracht hat.)
Es ist nur meine bescheidene Meinung, aber ich finde es ermuedend,
immer und immer wieder dieselbe Litanei von Ueberxtraktion und
Holzwahn zu hoeren, und zwar von denselben Verkostungsprofis, die ihn
verschuldet haben. Nicht in personam, aber in genericum. Ein bisschen
weniger Moralin tut da vielleicht genausogut wie etwas weniger Holz
und Tannin.
Nota bene: Denselben Diskurs koennte man auch und wahrscheinlich zu
Recht mit fetten Rieslingbomben fuehren - und einige tun das sogar,
wenn auch nicht hier, weil hier ist alles gut.
Cheers,
Ollie
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