Re: war: chemische Zusaetze
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Betreff: Re: war: chemische Zusaetze
Datum: 2006-02-20 10:15:22Absender: "Winzerhof Decker"
Hallo Herr Schroeder,
ein paar Ergänzungen zur Ihrem Beitrag müssen schon sein:
Meines Wissens ist die Kennzeichnung von nicht ausdrücklich zur
Kennzeichnung erlaubten Angaben in Deutschland verboten, somit
könnte ein besonders "verbraucherfreundlicher" Winzer, auch wenn er
wollte, nicht alles kennzeichnen was denkbar ist. Bei den allergenen
Stoffen ist Schwefel nun seit kurzem und für den Jahrgang 2005 ganz
sicher vorgeschrieben (zeitpunkt der Etikettierung. Ob mehr Angaben
mehr Verbraucherfreiheit schaffen, oder nur einen
Informations-Overkill, kann man sicher diskutieren. So gesehen dürfte
Atemluft als homöopathisch wirksamer Cocktail auch nur noch gereinigt
und mit Beipackzettel in Gasflaschen abgefüllt werden.
Der Stein des Anstosses in der Diskussion um Weine aus der "neuen
Weinwelt" sind m.E. nicht die herkömmlichen, teils seit
Jahrtausenden, vielleicht in der Neuzeit technisch verfeinerten
(früher Hühnerei - heute reines Casein) Verfahren, welche nach guter
handwerklicher Praxis längst erprobt sind, und ein natürliches
Grundprodukt stabilisieren, konservieren oder sensorische Fehler
entfernen, sondern neue Verfahren, bei welchen der Wein,
auseinandergenommen wird und im Labor re-designed neu zusammengesetzt
wird. Diese Verfahren sind immer grosse Eingriffe, welche den
natürlichen Charakter des Ursprungsproduktes zerstören. Der Rebstock
ist nur noch Rohstofflieferant, nicht auszumalen, wenn
konsequenterweise die Entdeckung gemacht wird, dass viele
Inhaltstoffe aus anderen Quellen viel billiger einzukaufen sind, und
so die Traube eigentlich unnötig wird. Den Begriff Wein sollen dann
beide Produkte tragen.
Es geht unseren Verbänden darum, frühzeitig eine Haltelinie zu
ziehen, damit ein, im übrigen auch in Übersee zumeist, natürlich
produziertes Getränk und die damit verbundene Kultur und
landschaftsprägende Dimension des Weinbaus nicht verloren geht.
Die Angabe von Drinkeinheiten ist doch nur eine Spielerei, anhand der
vorgeschriebenen Alkoholangabe kann auch bei uns jeder
Normalverbraucher abschätzen, ob man viel oder wenig von einem Wein
trinken kann, um was eigentlich zu beweisen ? Dass man nicht mehr
verkehrstauglich, Kopulationsfähig oder krankenhausreif ? Was soll
das. Der Umgang mit Alkohol, als unserer Kulturdroge, sollte im
Elternhaus erlernt werden. Jeder sollte als Jugendlicher lernen, den
Umgang mit Alkohol als Kulturgut scharf vom Mißbrauch abzugrenzen.
Eltern müssen dabei Vorbild sein.
Freundliche Grüsse
Hans-Peter Decker
www.winzerhof-decker.com
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