Reifeentwicklung, war: Kesseler (war:VKN Weil und
Zurück zum aktuellen Forum zum alten Wein-Plus.de Archiv
Betreff: Reifeentwicklung, war: Kesseler (war:VKN Weil und
Datum: 2006-02-16 09:30:48Absender: "Werner Elflein"
Hallo Stefan mit f! ;-)
Warum nur die Rheingauer? Auch die (trockenen) Rieslinge aus anderen
Anbaugebieten zeigen bereits fortgeschrittene Reife, und ich glaunbe
nicht, dass viele von ihnen die Fünf-Jahres-Marke bei guter
Verfassung überschreiten werden. Das hat auch weniger mit der
Schwäche einzelner Erzeuger zu tun, sondern vielmehr mit dem
Jahrgang, der eben KEIN Spitzenjahrgang ist und in erster Linie Weine
hervor gebracht hat, die schon früh auffallend präsent und "lecker"
waren. Ich habe noch heute die Aussagen von Weinfreunden im Ohr, die
seinerzeit der Meinung waren, 2002 wäre insgesamt oder in der Spitze
besser, als 2001. Festgemacht wurde dieses Urteil aber lediglich am
damaligen Ist-Zustand der Weine, zu einem Zeitpunkt, als sich die
2001er gerade zu verschließen begannen.
Leider muss ich immer wieder feststellen, dass nur wenige Verkoster -
und das betrifft nicht nur den Jahrgang 2002 - in der Lage sind, das
Potenzial deutscher Rieslinge (andere Weinländer analog) angemessen
zu beurteilen, da sie zwar ständig mit den oft beeindruckenden und
"druckvollen" Jungweinen, aber so gut wie nie mit den gereiften
Exemplaren konfrontiert werden. Nur selten haben sie die Gelegenheit,
den gleichen Wein nach zehn Jahren noch einmal zu verkosten, dem sie
früher einmal 72 oder 95 Punkte gegeben haben. Die Devise heißt doch
in der Regel: Aus den Augen, aus dem Sinn. Da diese Haltung der
Mentalität der meisten Konsumenten entspricht, muss sich der Kritiker
später kaum für seine (Fehl-)Urteile rechtfertigen.
Es wäre natürlich zu viel verlangt, wenn sich der Kritiker mit jedem
Wein nach zehn Jahren noch einmal auseinandersetzen müsste. Schaden
würde es jedoch nicht. Zumal ich über manche Prognosen, die da
herausgehauen werden, nur staunen kann.
Ich habe in den vergangenen zehn Jahren recht viele Weine in meinen
Keller kommen und aus meinem Keller gehen sehen und wage zu
behaupten, inzwischen eine recht gute Übersicht über das
Reifeverhalten von Rieslingen unterschiedlichster Ausbaustile zu
haben. Daher kann ich nur müde über Behauptungen lächeln, nach denen
die Verwendung von Reinzuchthefe in Kombination mit der Vergärung im
Edelstahltank etc. zu ähnlich entwicklungsfähigen Weinen führen soll,
wie wir das von traditionellen Ausbaustilen (Holzfass, Spontangärung,
moderat oxidativer Ausbau, Verzicht auf Bentonit und Enzyme) her
kennen. Dies ist definitiv nicht der Fall.
Wenn dann in einem bekannten Weinführer den mäßigen 2004ern von Joh.
Jos. Christoffel ein ähnliches Potenzial bescheinigt wird, wie den
Weinen des am gleichen Ort ansässigen Spitzenweinguts Jos.
Christoffel jr., kann ich darüber nur noch mit dem Kopf schütteln.
Viele Grüße
Werner
>Hallo Stephan,
>
>ein ähnliches Phänomen wie Du beim 02er Weil hatten wir letztes
>Wochenende bei der
>02er SL trocken aus dem Rüdesheimer Berg (Roseneck) von August
>Kesseler. Diese ebenfalls schon stark fortgeschrittene Reife,
welche
>den Wein einfach dominierte und ihm letztendlich seinen Charme
nahm.
>Nichts gegen Rieslinge mit Reifetönen, aber dass das hier so
schnell
>geht, damit hatten wir beim Kauf seinerzeit nicht gerechnet. Vor
>diesem Hintergrund werden wir wohl unsere anderen (trockenen)
2002er
>Rheingauner in nächster Zeit etwas genauer betrachten. Hat bei
denen
>evtl. noch jemand in letzter Zeit ähnliche Erfahrungen gemacht?
>
>
>Viele Grüße aus München,
>
>Stefan,
Meine Visitenkarte Online:
www.wein-plus.de/karte/elflein
Dieser Beitrag wurde mit dem webbasierten Zugang zum Forum erstellt:
www.wein-plus.de/forum/
--