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Sangiovese vs. Nebbiolo - 2. Karlsruher Weinstammtisch

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Betreff: Sangiovese vs. Nebbiolo - 2. Karlsruher Weinstammtisch

Datum: 2006-02-24 22:19:35
Absender:  "Clemens Gerke"




Hallo Weinfreunde,

am Donnerstag den 23.2 traf sich im Restaurant Da Pino in Muggensturm
der Karlsruher Weinstammtisch zum 2. Treffen. Nach dem zwei Teilnehmer
unerwartet fernblieben, durften wir uns mit unserem Wirt zu sechst
über anfangs acht Weine hermachen. Ralf Spiegel hatte die Weine unter
dem Motto Sangiovese vs. Nebbiolo zusammengestellt, wobei es jeweils
neben einigen einfachen Weinen auch bekanntere Vertreter gab. Walter
Laub hatte das Lokal für uns organisiert, während Gerd Nagel, Sven
Zoepf und ich nur auf den Trinkgenuß gespannt angereist waren.
Ich hoffe die anderen Teilnehmer posten ihre Beobachtungen und
Korrekturen auch noch dazu.
Nach etwas Warten auf die zwei Vermissten ging es los mit dem:
(1) Baccanera 2002, Nebbiolo, Piemont, Erzeuger: lo Zocolaio
zeigte eine schwarzrote Farbe. Präsentierte ein intensives Aromaspiel
von Röstaromen, tiefer dunkler Frucht und hervorragende Würze.
Er tritt mit einem mittelschweren Körper auf, besitzt eine
ordentliche Dichte. Die Säure geht in Gerbsäure über. Die leichten
Tannine wirken im Abgang etwas spitz. Der Abgang ist eher mild, und
der Nachhall verfügt über eine gute Länge. Einerseits ist der Wein
durchaus kräftig und hart, andererseits ist er als sanft und samten
zu charakterisieren.
Ein hervorragender Wein zum Einstieg, der seinen scheinbaren
Widerspruch gut auflöst.

Nun gingen wir zu einem Popwein über:
(2) Villa Antinori 2002, Sangiovese Merlot und Syrah, Toskana,
Erzeuger: Antinori, Alc.:13%
Erneut ein schwarzrotes Kleid. Das Bukett ist vergleichsweise dezent.
Ich vernehme einen Kirschduft und eine leichte süßliche Würze.
Am Gaumen mit einem mittelleichten Körper. Der Wein ist sehr rund und
saftig. Der Abgang ist rund. Im ordentlich langen Nachhall bemerke ich
etwas Tannine und Vanille.
Ein sehr guter Wein. Vielleicht habe ich mich von dem Etikett etwas
beeinflussen lassen, doch insgesamt bleibt er für mich ein Popwein.

Der letzte "einfache" Wein aus der Gegenüberstellung sollte nun neben
dem Essenn folgen. Von Antinori ging es weiter zum Marchese
Frescobaldi
(3) Nippozano, Chianti Rufina Riserva 2002, vorwiegend Sangiovese
wohl auch Cannaiolo, Toskana, Alc.:13%
Die schwarzrote Farbe wurde von einem leichten aber aufgrund der
violetten Farbe auffälligem Rand unterbrochen. Die Nase wirkte
tiefgründig, etwas sauer, auch frisch, wohl nach Sauerkirsche. Dazu
kam Vanille.
Den Mund füllte der Wein mit einem mittleren Körper, der eine
angenehme Frucht und leichte Säure transportiert. Dazu kommt eine
schöne Würze. Im Abgang hat er mäßige Tannine, die sehr gut
eingearbeitet sind. Der Wein wirkte sehr harmonisch.
Hervorragend. Ein sehr feiner, echter Italiener.

Als Piraten hatte ich den folgenden Wein eingeschmuggelt:
(4) Notarpanaro 1997, Negroamaro, Apulien, Erzeuger: Cosimo Taurino
Das rubinrote Kleid wird zum Rand deutlich heller. Zunächst zeigte
der Wein eine merkwürdige, chemisch stechende Nase. Nach kurzer Zeit
verwandelte sich der Duft jedoch. Das Bukett roch erdig nach
Waldboden und wirkte frisch.
Anfangs eher ein leichter Wein, doch es lohnt sich, ihn durch den
Mund tanzen zu lassen. Dann zeigt er eine grandiose Würze.
Schöner angenehmer Wein. Sehr gut. Hat seinen Höhepunkt meines
Erachtens aber schon gesehen. Vor 15 Monaten gefiel er mir deutlich
besser.

Nun sollten die vermeintlichen Spitzenweine auf den Prüfstand
gestellt werden. Zunächst begutachteten wir den:
(5)Vigna Faset Barbaresco 1997, Nebbiolo, Piemont, Erzeuger: Marziano
Abbona, Alc.:14%
Helle, kirschrote Farbe. Der Wein hat eine feine, zurückhaltende Nase
mit Röstaromen von Kaffee und leichter, dezenter Frucht. Der Duft ist
schwer zu durchdringen.
Er besitzt einen mittleren Körper. Durch eine angenehme Säure wirkt
er noch frisch und jung. Die Tannine sind gut integriert. Der
Nachhall ist sehr lang. Im Abgang ist er rund.
Ein hervorragender Wein, der sich gleich an die Spitze setzte. Man
merkt dem Wein sein Alter an. Er ist vermutlich gerade auf dem
Höhepunkt, hält aber noch ein paar Jahre.

Gespannt nahmen wir jetzt wieder einen Sangiovese unter die Lupe,
den:
(6) Brunello di Montalcino 1997 von Col d'Orcia, Toskana, Alc.:13,5%
Der Wein zeigte eine rubinrote Farbe. Im sehr intensiven Bukett
entdeckte ich Lederaromen und Röstnoten. Eine leichte gerade noch
präsente Cassisnote glaube ich auch wahrgenommen zu haben.
Anfangs hat der Wein einen eher leichten Körper, wirkt fruchtig. Nach
dem zweiten Schluck wird er dann kontrastreich mit noch immer
präsenten Tanninen. Er wird dichter, ausgewogener und harmonischer.
Der tanningeprägte Nachhall kam in Wellen die noch sehr lange gegen
die Küste meines Mundes prallten. Ich notierte noch
Bitterschokolade.
Der Wein spaltete etwas die Gemüter. Für mich hervorragend auf dem
Niveau von (5) und noch mit Entwicklungspotential.

Ohne einen Barolo wollte uns Ralf nicht nach Hause gehen lassen:
(7) Sorano 2000, Nebbiolo, Piemont, Ascheri
Kirschrotes Kleid. Bereits in der ersten Nase war sein Bukett
präsent. Es besteht aus Cassis, pflanzlichen Noten und Röstaromen.
Anfangs ist der Wein eher sanft, gleichwohl sehr ausgewogen und
würzig. Im Abgang ist er unglaublich dicht. Sein würziger Nachhall
überzeugt durch eine beeindruckende, extraktreiche Länge.
Hervorragend mit Auszeichnung. Der neue Spitzenreiter.

Ralf hatte als Abschluss noch einen Abstecher in die Toskana
geplant:
(8)Flaccianello 1995, Sangiovese, Erzeuger: Fontodi
Dunkles Rubinrot. Der Wein hat ein extrem würziges Bukett, das von
erdigen Noten begleitet wird.
Zunächst wirkt der Wein eher schlank, dann kommt er aber immer mehr
mit einer guten Dichte, schöner Gerbsäure und einer hervorragenden
Länge im Nachhall. Hier ist er auch sehr extraktreich.
Hervorragend. Auf dem Niveau von (5) und (6).

Die Leidenschaft unseres italienischen Gastgebers Pino gilt den
sizilianischen Weinen, speziell dem weingut Planeta.
Liebenswerterweise ließ er uns mit begeistertem Einsatz an dieser
Leidenschaft teilhaben. Der Weinstammtisch wurde zu diesem Zeitpunkt
so lebhaft, daß ich nicht mehr zum geordneten Notieren kam.

Beim (9) Santa Cecilia fehlte mir beispielsweise der Jahrgang in den
Notizen. Ob jemand etwas mit: [Schöne Rubinrot, sehr dicht, aber doch
irgendwie vordergründig, Lavendel, extremer Nachhall, besitzt
Substanz] anfangen kann sei dahingestellt. Er war für mich auf dem
Niveau von (5), (6) und (8). Vielleicht hat jemand anders mehr
notiert?

Der (10) Alastro 2004 aus Chardonnay und Grecanico hatte es nach all
den Rotweinen natürlich schwer.
Golgelb, blumig, zurückhaltende Frucht im Duftspiel.
Sehr dicht, schwierig einzustufen, Halbtrocken, sehr guter Nachhall,
Botrytisnoten (bei einem Sizilianer?) aber dezent.
(Typischer - oh je, das gibt Schläge) südländischer Weißwein,
ordentlich, insgesamt nicht harmonisch, vielleicht zu jung oder mit
Flaschenfehler.

Als nunmehr endgültigen Abschluß öffnete Pino noch einen Süßwein (11)
von Planeta zu dem ich folgendes notierte
Planeta 2004 - grandios!!!
Ich mag diese süßen Tropfen einfach, und dieser rundete einen
hervorragenden Abend perfekt ab. Ich glaube auch, daß ich diese
Bewertung unter anderen Umständen beibehalten würde.

Fazit: Die Probe wartete mit ausschließlich sehr guten Weinen auf.
Sieger war für mich sowohl bei den "einfachen", als auch bei den
"besseren" Weinen jeweils ein Nebbiolo. Denn der Baccanera (1)
scheint für ein potentieller Aufsteiger zu sein, während der Sorano
an diesem die Meisterschaft gewann.

Herzlich bedanken möchte ich mich bei Walter Laub für die
Organisation des Lokals, bei Ralf für das Zusammenstellen der feinen
Probe, bei Gerds Frau für die Chauffeurdienste und bei unserem
enthusiastischen Pino für die großzügige Bewirtung. Der nächste
Weinstammtisch wird sich vorraussichtlich um das Thema
südafrikanische Weine drehen und am 30.3 stattfinden.

Es grüßt Euch
Clemens.

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