Anmelden
Dauerhaft anmelden
Infos über Wein-Plus
Mitgliedschaft
RSS
Hilfe
Social Networks
Stellenangebote
Impressum
Presse
Über Wein-Plus
Datenschutz
Partnerprojekte
Kontakt

Spaetburgunder 1999: Kopp vs. Schneider vs. Johner

  1. Information
    Weine, Winzer, Wissen
  2. Forum
     (1225 Beiträge)

Zurück zum aktuellen Forum    zum alten Wein-Plus.de Archiv

Betreff: Spaetburgunder 1999: Kopp vs. Schneider vs. Johner

Datum: 2007-03-26 20:56:51
Absender:  Thomas Deck



Hallo Forum,

in letzter Zeit war ich etwas träge, daher wurden neulich zur Strafe
gleich 3 Weine verglichen:

1999 Spätburgunder "S", Weingut Kopp (Sinzheim/Ortenau)
13,5 %, 19,50 Euro
Boden: granitähnlich (Granitverwitterung, roter Buntsandstein,
Unterrotliegendes)
Erwartung: Keine bestimmte, da ich Kopps Weine erst ab 2001/2002
kenne. Wahrscheinlich weniger konzentriert als Schneider. Hoffentlich
nicht zu viel Holz.

1999 Spätburgunder "R", R.+C. Schneider (Endingen/Kaiserstuhl)
13 %, 18 Euro (Gault Millau: 91 Punkte, bis 2008)
Boden: Vulkanverwitterung
Erwartung: Der Wein hatte letzten Sommer 88 Punkte ("reife Frucht
(Brombeere), Schoko/Kakao, dicht+konzentriert, sehr gut, aber zu
international"). Wird sich nicht groß verändert haben.

1999 Blauer Spätburgunder, Karl. H. Johner (Bischoffingen/Kaiserstuhl)
13,5 %, 18 Euro
Boden: Vulkanverwitterung
Erwartung: Im August 2005 notierte ich: "dunkle Erdbeere, Röstaromen,
süßlich, breit, dicht+lang; 86-87 Punkte." Der Wein war überfällig,
zumal sowohl der 98er als auch der 00er in ihrer Endphase ziemlich
nachgelassen hatten.

Insgesamt hoffte ich, dass der Kopp eine gute Figur machen und der
Johner nicht allzu sehr abfallen würde. Im übrigen schiele ich immer
auf weitere Erkenntnisse bzgl. Typizität, machte mir bei diesen Weine
aber keine allzu großen Hoffnungen (Kopp: unbekannt; Schneider: zu
konzentriert; Johner: über dem Höhepunkt).


Erster Tag:

Kopp:
In der Nase fruchtig, frische Erdbeere, auch Schuhcreme/Leder
(Reifeton). Erinnert an Kopps 01er "S". Im Mund dicht, mild, elegant
und mit ähnlichen Tönen wie in der Nase; erinnert an 04er und 05er von
Duijn. Ist top. Anfangs 88, dann 90 Punkte. Später auch Röstaromen.

Schneider:
Farbe: Auffallend dunkel, fast "südlich". Nase sehr zurückhaltend,
allenfalls gewisse dunkle-Beeren-Aromen. Im Mund sehr konzentriert,
wirkt süßlich (obwohl analytisch absolut trocken); zwischendurch
Süßkirsche, später Brombeerkonfitüre; 87 Punkte.

Johner:
Aromatische Nase. Im Mund maskulin, Säure/Tannine. Wirkt im direkten
Vergleich klar besser als der Schneider. Die Frucht ist eine Mischung
zwischen Erdbeere und Kirsche, aber mit burgundischer Struktur. Ist
top, wie kann das sein? 90 Punkte.


Zweiter Tag:

Kopp:
In seiner Art "heller" als die beiden anderen, ebenfalls dicht und
wirklich schön. Röstaromen, daher 89 Punkte. Erinnert jetzt an Duijns
99er. Das muss Ortenau- oder gar Granit-Typizität sein. Bin
hocherfreut.

Schneider:
Konzentriert, beerig, Kirsche, Rumtopf; wirkt süß, trotz Säure; 87
Punkte.

Johner:
Wie gehabt, 90-91 Punkte. Ist der beste.


Dritter Tag:

Alle drei Weine haben sowohl ihre Charakteristik als auch die Form
behalten. Gesamtwertung:

Kopp: 89 Punkte
Schneider: 87 Punkte
Johner: 91 Punkte


Fazit:

So langsam beginne ich die (nördliche) Ortenau zu verstehen. Kopp und
Duijn scheinen an der Spitze zu liegen. Bzgl. Nägelsförst muss ich vor
Abgabe einer Einschätzung noch mehr Erfahrungen sammeln. Immerhin weiß
ich jetzt, nach was zu suchen ist. An Schloss Neuweier geht nach wie
vor die Aufforderung, endlich in den Wettbewerb einzutreten (hatte
letztens einen Top-02er-Riesling "Mauer-Wein"). Schloss Eberstein ist
bereits aktiv.

Schneiders 99er machen derzeit eine schwierige Phase durch (der "A"
hatte letztens nur 85 Punkte). Ich habe jetzt noch je einen "C" (Löss)
und "R" (Vulkan), die werde ich in ca. 2 Jahren miteinander
vergleichen.

Johner hat mich überrascht, das war mein bisher bester "Nicht-SJ", und
er lässt so manchen SJ hinter sich (zumindest 98 und 00). Wie ich
gerade sehe: Bei den zuhause in Ruhe getrunkenen Spätburgundern habe
ich bisher maximal 91 Punkte gegeben, und das nur einmal, und es war
ein Elsässer (90 Punkte gab's schon öfter). Auf Verkostungen, wenn die
Weine in der Primärfruchtphase sind und man nur wenige Minuten Zeit
pro Wein hat, wertet man schnell mal großzügig. Jahre später und üb er
einen längeren Zeitraum am Abend sieht das anders aus. Es ist eine
Sünde, dass dieser Top-99er nicht als Lagen- oder wenigstens als
Dorfwein vermarktet wird.

Als Gesetzgeber würde ich festlegen, dass ein Nicht-Lagenwein aus dem
Verkehr zu ziehen ist, sobald er 90 Punkte oder mehr hat. Da hat Kopp
gerade noch mal Glück gehabt...



Thomas Deck

--