VKN 1994er Galilee Cabernet Sauvignon
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Betreff: VKN 1994er Galilee Cabernet Sauvignon
Datum: 2007-02-26 09:21:34Absender: Matthias Wünsche
Angestoßen durch die Diskussion der letzten Wochen habe ich die letzte
Flasche eines Eigenimports geköpft:
1994er Cabernet Sauvignon Galilee der Golan Heights Winery Katzrin
(Israel/Syrien)
Ein langer und gesunder Korken verschließt die Bordeaux-Flasche. Schon beim
Öffnen macht sich deutlicher Kräuterduft bemerkbar.
Noch ist der Wein zu kalt.
Nach etwa 30 min entfaltet er seine ganze Kapazität:
Ganz jugendlich, ohne jede Alterspatina steht er da. Dunkelrot, burgunderrot
heißt das glaube ich. Echt gepflegt, harmonisch gereift.
In der Nase deutlich frisches Heu und Kräuter. Wie lange bleiben die
Cabernet-Heu-Ladungen eigentlich so frisch?
An der Zunge kaum spürbar etwas Restsüße. Sehr ausgewogene
Frucht-Säure-Balance, etwas Apfelsäure, vermute ich.
Langanhaltendes Aroma von Waldbeeren, am ehesten mit überreifen Brombeeren
zu vergleichen.
Trotz über zwei Jahren Lagerung im Barrique (laut Kellereiangabe) keine
harte Eichen-Dominanz. In der Flasche erstaunlich viel Depot für einen erst
12-jährigen Wein.
Ein kleiner Rest bleibt in der Flasche. Tags darauf sind die Apfeltöne
verschwunden, der Wein wirkt durch 24 Stunden "an der Luft" noch
harmonischer.
Ich denke zurück an einen heißen Frühsommertag 2000 auf dem Golan, in
grandioser Umgebung, die Geier kreisen in der Luft, Skorpione unter jedem
Stein, Minen entlang der Straßen, Stacheldraht bewahrt die ahnungslosen,
vorwitzigen Touristen vor Spaziergängen auf eigene Faust. Welcher
Mitteleuropäer kennt denn auch noch das gelbe Dreieck als Warnsignal an den
nicht geräumten Minenfeldern? Hier ist dieses Zeichen weit verbreitet, oft
anscheinend als Zielscheibe im Manöver missbraucht.
Nach kurzer Suche am Rand der eher trostlosen Kleinstadt Katzrin die Oase:
eine gepflegte, moderne Kellerei, in der man in der klimatisierten
Lagerhalle die große Anzahl Barriques mit eigenen Augen durch eine
Panzerglasscheibe besichtigen kann. Amerikanische Verhältnisse: die
Besichtigung wird in Dollars bezahlt, aber die Führung ist - in hebräis ch
gefärbtem Kolonial-Englisch gehalten - fachkundig. Wenige Touristen, gute
Beratung am Tresen, auf Nachfrage auch Verkostung der edelsten Kreationen,
die - vor den manchmal überfallartig eintreffenden Touristenbussen
gesichert - unter der Theke aufbewahrt werden.
Ja, jetzt wäre es an der Zeit, wieder mal hin zu reisen, denn die letzte
Flasche ist erstaunlich schnell geleert. Aber es gab halt schon bessere
Zeiten für private Israel-Reisen. So muss ich den Besuch in Katzrin
weiterhin den UN-Soldaten mit den blauen Helmen überlassen, aus Österreich
und woher sie sonst alle kommen. Schade drum. Der Wein ist wirklich klasse.
Hätte sicher auch noch ein paar Jahre liegen können.
Schätze mal um die 90 Punkte.
Vergleichbares, aber Jüngeres aus gleicher Kellerei kostet hier in D um die
20 Euro. Das ist der Wein wohl auch wert.
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