VKNs kleine Champagnerprobe Premier Cru . . Grand Cru
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Betreff: VKNs kleine Champagnerprobe Premier Cru ./. Grand Cru
Datum: 2007-03-05 17:59:56Absender: "Boris Maskow"
Am 24. Februar 2007 war Thomas R. so freundlich, zusammen mit Steffi
die heimischen Düsseldorfer Pforten für eine kleine Champagnerprobe
zu öffnen.
In gewohnt vertrauter und höchstgeselliger Runde gab es gute Laune,
gute Speisen und folgende Champagner, resp. Einstimm-Piraten:
I. Dom. Deliance Ruban Mauve Crémant de Bourgogne: die kleine,
ziemlich unbekannte Domaine erzeugt für etwa ebenso kleines Geld
bildhübsche Weine und eben auch Crémants. Dieser ist ein Blanc de
Pinot Noir, der durch seine helle, freundliche, etwas frische und
manchem etwas hoch dosierte Art auffiel. Sanft, etwas säureschwach,
gleichwohl vor allem kühl charmant zu trinken.
II. Milazzo Federico II Rex Sicilie 1993, deg. Herbst 1997: drei
Chardonnayklone und etwas Weißburgunder konnten nicht verhindern, daß
dieser Wein nun sehr deutliche Reifetöne, strenggenommen sogar eine
gewisse Müdigkeit zeigte. Trotzdem lecker, mürbe, morbid, von
Honignoten geprägt, ließ er Raffinesse vergangener Tage ahnen.
Da es sich nicht um Champagner, sondern nur um eine Einstimmrunde
handelte, ergab sich keine bemerkenswerte Erkenntnis über PC/GC.
III. Poul-Justine Premier Cru: der hierzulande nicht sehr bekannte
Winzer aus dem auch in der Champagne nicht soo berühmten Avenay Val
d'Or hat einen schönen, relativ hoch dosierten Champagner von
süffiger Art, mit stabiler Frucht und charmanter Säure auf die
Flasche gebracht. Der Champagner wurde im Soleraverfahren
hergestellt, eine etwas niedrigere Dosage hätte die Feinheiten etwas
besser heraustreten lassen können, daß Poul-Justine das gelingt, weiß
ich von seinem in gleicher Weise hergestellten Jahrgangs-Premier Cru.
IV. Boulard Mailly Grand Cru: gekonnt anoxidierter Apfelsaft vom -
für diese Lage ungewöhnlichen - 10%igen Chardonnayanteil, leckere
Fruchtnoten, rotfruchtkompottig, saftig, dabei von feiner, leichter
Art, mit einem durchgehend präsenten Säuregerüst, das mußte der Grand
Cru sein und war es auch.
Der Poul-Justine wirkte etwas naiv-süß neben dem Grand Cru. Nicht
ganz zu unrecht sparen viele terroirbedachte Winzer am Dosagezucker.
V. Lassalle Cuvée Angeline 1999 Premier Cru: in sich geschlossener,
runder, gesunder Wegschlotzchampagner, der ebenfalls mit hoher Dosage
daherkam, die aber aufgrund seines insgesamt femininen Art durchaus
glaubhaft und stimmig war. Ob die Bezeichnung "kleine Schlam*e"
unbedingt zutrifft, kann dahingestellt bleiben, wenn man jedenfalls
zugesteht, daß der Champagner eine verführerische, zum beschleunigten
trinken einladende Art hat.
VI. Bonnaire Cramant Grand Cru Blanc de Blancs NV, Magnum: fleischig,
saftig, aber auch nasse Schafwolle und Sauerkraut. Toastige Noten und
chardonnayige Säure, dieser Champagner konnte nicht überzaugen,
sondern zeigte eher einen übetriebenen BSA, der dafür sehr schön,
fast vorbildlich gereift war. Ließ sich trinken, war aber leider kein
großer Genuß, sehr schade.
Der Premier Cru konnte punkten, während der Grand Cru im Keller
blieb. Insofern leider kein guter Vergleich.
VII. Duval-Leroy Authentis 100% Chardonnay, Trépail Premier Cru 1999:
Flotter, leckerer, von Silex und anderen steinig-mineralischen Tönen
geprägter Champagner. Kontrastreich, voller Schwung und Abwechslung,
bescheidener dosiert als die Vorgänger und vom Gesamteindruck auf
Grand Cru Niveau.
VIII. Pierre Peters Cuvée Speciale 1999 100% Chardonnay, Grand Cru
Monocru (Chétillons), Vieilles Vignes (72 Jahre Durchschnittsalter):
sperrig, eckig, scharfkantig, ein Champagner, der erst gekaut werden
will. Wirkte mit seiner etwas ungelenken Art noch etwas zu jung, war
aber von beeindruckender Vielfalt und überraschender Fülle, die viel
erahnen ließ. Ein Champagner, der irgendwie lecker schmeckte, ohne
daß sich das an der Frucht, an der Ausgewogenheit oder sonst
festmachen ließ. Ein würdiger Vertreter der Grand Cru Fraktion.
Die Probe war wegen der kleinen Teilnehmerzahl und der kleinen Umlage
sicher keine, die zuverlässig Überblick über Unterschiede zwischen
Premier Cru und Grand Cru Lagen gewähren könnte. Tatsächlich war nur
der letzte Zweierflight geeignet, tiefere Erkenntnis zu gewinnen und
die geht bei mir in die Richtung, daß gut gemachte PCs auf gleichem
Niveau spielen können, wie gut gemachte GCs. Eine grundsätzliche
Überlegenheit der GCs will ich noch nicht recht anerkennen, aber das
Gebiet bedarf ohnehin intensiver Erforschung.
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